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Advent: Und du hast mich besucht!
Warum nur dann?

Diakon Gottfried Rempe

Welchen Stellenwert nehmen die alten Menschen in unserer Gesellschaft / unserer Gemeinde, in unserem Pastoralverbund ein?

Eine Lebensgeschichte, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Ich lasse die Frau, die ich in einem Altenheim besucht habe, sprechen:

„Ich, kann mich noch gut erinnern an die kalten Tage, an die kalten Nächte. Meine Kinder haben sich gefreut, fühlten sich wohl, wenn ich ihnen Wärme geschenkt habe, äußere und innere Wärme.

Wie oft habe ich wohl die Mahlzeiten bereitet, für das leibliche Wohl gesorgt, habe in meinem Leben mehrere tausend km zurückgelegt, um zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen, für den Lebensunterhalt gesorgt, das tägliche Brot verdient? Wie viele Nächte habe ich am Bett meiner kranken Kinder gesessen, ihnen zu trinken gegeben, wenn das Fieber hoch war?

Wie viele Wege musste ich zurücklegen, um Besorgungen zu machen, den Haushalt in Ordnung zu halten? Wie viele Kilometer wurden mir im Krieg aufgezwungen, die ich lieber für friedliche Zwecke gelaufen wäre?

Gern erinnere ich mich aber auch an die Sternstunden in meiner Jugend, an das Verliebtsein, den ersten Kuss auf einer Bank unter einem strahlenden Sternenhimmel, an die Zärtlichkeit eines Menschen, der mir sein Herz schenkte und mir sagte: „Ich liebe dich!“

Doch dann kamen auch Schicksalsschläge: mein Mann kam aus dem Krieg nicht zurück, starb an den Folgen der Verwundung. Meine Kinder wandten sich später von mir ab, weil sie mich als spießig empfanden, mit der getroffenen Erbschaftsregelung nicht einverstanden waren. Ich musste und muss mein Kreuz allein tragen, trage es, wenn auch oft unter heimlichen Tränen.

Ich bin aber auch bereit, alles aus Gottes Hand anzunehmen, der mich, vielleicht unbemerkt, an seine Hand nimmt und mein Leben begleitet. Oft habe ich meine Hand zur Versöhnung ausgestreckt, habe bettelnde Hände gefüllt. Und nun?

Ich bin alt, bin allein. Wer schenkt mir Wärme, schüttelt mir das Bett auf, macht Wege für mich, schenkt mir ab und zu eine „Sternstunde“? Glauben die Mitmenschen, die Organisationen und Vereine wirklich, sie hätten ihr Gewissen entlastet, wenn sie in der Adventszeit scheinbar mitleidsvoll scharenweise in die Altenheime gehen, aber uns alte Menschen die übrige Zeit des Jahres mit unserer Einsamkeit, unserem Kreuz und unseren Tränen allein lassen?

Ich strecke meine Hände aus – wer hält meine Hand, wenn ich Einsamkeit verspüre – wenn getresstes Personal kaum noch Zeit hat, mir den lebensnotwendigen Schluck Wasser zu reichen? Wo bleiben meine Kinder, für die ich doch so manchen Weg zurückgelegt habe?

Meine Nachbarn und Verwandten, für die ich so oft zur Stelle war, wenn sie mich brauchten?

Gott sei Dank gibt es aber auch Menschen, auch hier aus der Gemeinde, Menschen aus dem Pastoralverbund, die sich um mich kümmern, mich im Altenheim besuchen, die sich auf den Weg machen, um wenigstens 1x wöchentlich Licht in meinen Alltag zu bringen. Wie wohltuend sind solche Sternstunden der Begegnung! Dafür sage ich immer wieder Danke!“

Vielleicht gibt es noch mehr Menschen in unserem Pastoralverbund, die sich dem Besuchsdienst anschließen, einsame und alte Menschen im Pflegeheim oder zu Hause besuchen und Licht in den Alltag dieser Menschen bringen.

Advent: „Ich war einsam -  und ihr habt mich besucht – auch noch nach Weihnachten.“


Eine besinnliche Adventszeit wünscht Ihnen
Diakon Gottfried Rempe



                               



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