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Aktion Erinnerung – Nachtrag zum Volkstrauertag

Pfarrer Hubertus Rath

Als ich im Sommer aus meinem Urlaub in der Bretagne zurückkehrte, habe ich nicht die Route über Paris, sondern die Nordroute durch die Normandie genommen, wie es mir mein TomTom vorgab. Auffällig viele englische Reisebusse mit Gruppen im Durchschnittsalter 60 und aufwärts waren unterwegs. Als zweites fielen mir die vielen Hinweisschilder zu Soldatenfriedhöfen aller Nationalitäten auf. Da wurde mir bewußt: „Mensch, hier haben die großen Schlachten nach dem D-Day stattgefunden.“ Wie groß diese Schlachten waren, konnte ich mir dann eindrücklich auf einem deutschen Soldatenfriedhof vor Augen führen: 13.000 namentlich gekennzeichnete Grabkammern plus ein großes Sammelgrab mit den Überresten unbekannter Soldaten. Angelegt und instandgehalten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Und das war nur einer von vielen Friedhöfen.

Beeindruckt durch die schiere Menge der hauptsächlich 20 bis 30-jährigen Toten und die Größe der Anlage, verstärkte sich dieser Eindruck noch, weil ein ausgelegtes Heftchen zu einzelnen Grabkammern führte und die Lebensgeschichte des dort bestatteten Menschen und die Erinnerungen seiner Angehörigen aufgeschrieben waren. Keine Helden, keine Widerstandskämpfer gegen die Nazis, keine berühmten Namen. Männer, die gerade ihre Schul- oder Berufsausbildung beendet hatten, bevor sie eingezogen wurden, die zuhause in der Musikkapelle spielten oder wichtige Spieler ihres Fußballvereins waren, die gerne mit dem Fahrrad und ihrer Jugendgruppe Deutschland erkundeten und so weiter.

Aus dem Geschichtsunterricht und den Fernsehdokumentationen kenne ich die Abläufe, auch die Verlustzahlen. Hier aber berührte es handgreiflich durch die Menge und die Einzelschicksale. Gut, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. bis heute so arbeitet. So also funktioniert das Motto „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“: Indem wir Nachgeborenen an der Fülle der Gräber sehen können, wieviele Menschen hinter der Floskel „verlustreiche Schlacht“ verborgen werden und wieviele Lebensentwürfe und Lebensträume zerstört wurden. Zu diesem Zweck vermittelt der Volksbund unter anderem Fahrten zu den Kriegsgräbern, veranstaltet nationale und internationale Jugendlager zur Pflege von Soldatenfriedhöfen und informiert in Schulen und Schulfreizeiten.

Ich habe mir von diesem Friedhof zwei Bücher mitgenommen „Menschen wie wir…“ herausgegeben vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.. Es ist die Dokumentation der „Aktion Erinnerung“, die 1999 begann, und in der Angehörige ihre Erinnerungen an die Vermissten und Gefallenen niedergeschrieben haben. Auch darin kommt deutlich zum Ausdruck, welche Bedeutung diese gekennzeichneten Gräber für die Hinterbliebenen auch nach so langer Zeit noch haben: „Dies war der letzte Funke eines jungen hoffnungsvollen Lebens. Alle unsere Bemühungen, etwas über den Verbleib meines Bruders Heinz zu erfahren, sind bis zum heutigen Tage erfolglos geblieben.“ Und: „Vor zwei Jahren erhielten wir die Nachricht, dass man Friedels Überreste gefunden habe. Man hat uns sogar seinen Siegelring, den er immer am Finger getragen hatte und der mit F.F. signiert war, zugeschickt und mitgeteilt, dass er jetzt eine würdige Grabstelle auf dem großen Friedhof bekommen hätte. Reihen- und Grabnummer waren vermerkt.“

In einigen unserer Gemeinden gibt es eigene Totenbücher für die Soldaten. Darin sind leider nur die Namen, Geburts- und Sterbedaten vermerkt. Vielleicht gibt es noch Angehörige und Freunde, die Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes haben und wir können für unsere Heimat eine „Aktion Erinnerung“ starten.

Ein paar Kilometer weiter östlich, an der Somme, beginnen die Gräberfelder des 1. Weltkrieges.

 

Ihr Pfarrer Hubertus Rath

 


Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Spendenkonto: 3 222 999, BLZ 520 400 21, Commerzbank Kassel.

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