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„Alles hat seine Stunde …“ (Koh 3,1)

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Mit den Tagen des Karnevals nach dem Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar geht sie jetzt  endgültig vorbei – die Weihnachtszeit zu Beginn des Jahres 2013: jetzt ist auch wirklich die allerletzte Krippe in den Kirchen unseres Pastoralen Raumes abgebaut und in ihr Lager gebracht worden, die Weihnachtsbäume sind entsorgt.

Vielleicht ist darum jetzt auch die Zeit gekommen, grundsätzlich über den Sinn darüber nachzudenken, warum bestimmte Inhalte unseres Glaubens auch nur zu bestimmten Zeiten gefeiert werden können. Um die sprichwörtliche Katze aber  aus dem Sack zu lassen: Wir haben als Hauptamtliche im Pastoralen Raum Bad Driburg während  einer der letzten Teambesprechungen unserem Ärger kräftig Luft gemacht. Ärger worüber?

Da werden in unseren katholischen Gemeinden kirchliche Veranstaltungen in der Adventszeit oder sogar noch früher angeboten, die von ihrem Inhalt her ganz eindeutig erst viel später dran wären.  Wir waren gemeinsam erschrocken, wie rasant diese innere Aushöhlung unserer traditionellen Feste in der Advents- und Weihnachtszeit voranschreitet. Und wir haben noch einmal ganz deutlich gespürt, mit welcher fraglosen Selbstverständlichkeit mittlerweile solche verfrühten Veranstaltungen angeboten werden.  Uns war dabei sehr präsent, dass hier in der Regel pragmatische Gründe eine Rolle spielen: Noch früher als andere Veranstalter etwas anzubieten, hat vielleicht eine größere Chance auf noch stärkeren wirtschaftlichen Erfolg der eigenen Sache.

Das mag auch kurzfristig so sein. Auf Dauer aber werden wir bei einer fraglosen Beibehaltung dieser Praxis unsere geprägten Zeiten und Feste immer mehr aushöhlen. Sie werden eine Inflation erleben. Ihr eigentlicher Inhalt wird nicht mehr erfahrbar sein. Es wird immer mehr zu einem Ausverkauf kommen, der irgendwann einmal einen ehemals großen, geistigen Wert nur noch als Billigware erscheinen lassen wird. Wir haben die Sorge, dass die Generationen nach uns nur noch eine äußere Hülle einer ehemals kraftvollen, inhaltsreichen Feierkultur vorfinden werden.

Es ist nun mal so: „Alles hat seine Stunde  …“ (Koh 3, 1).  Ein bestimmtes Geschehen kann auch nur zu einer bestimmten Zeit sein, wenn es wirklich und wirksam sein soll: Niemand von uns würde auf die Idee kommen, seinen Geburtstag vier Wochen früher zu feiern, als das Geburtsdatum es festlegt. Niemand würde wohl auch ernsthaft versuchen, Ende Januar ein Schützenfest auf die Beine zu stellen. Niemand käme auf die Idee, Anfang Februar schon mal im Garten Kartoffeln ernten zu wollen. Aber eine Nikolausfeier oder ein Seniorentreff mit Weihnachtsliedern so kurz nach Allerheiligen, wenn anderswo noch nicht so viel adventliche Angebote gemacht werden – wird das womöglich in der Zukunft die Regel sein?

In den meisten Fällen sind in unseren Gemeinden heute die Veranstaltungskalender für die nächste Advents- und Weihnachtswochen schon wieder gefüllt. Wir möchten Sie alle trotzdem dringend einladen, in den Gruppen, Verbänden und Vereinen, in denen Sie ehrenamtlich tätig sind, die Frage zu diskutieren, ob unsere kirchlichen Veranstaltungen in der Advents- und Weihnachtszeit  wirklich  noch zum richtigen Zeitpunkt angeboten werden, oder ob sie durch einen verfrühten Zeitpunkt des Beginns nicht vielmehr schon jetzt zu einer Farce geworden sind.

Vielleicht fragen Sie sich angesichts der Situation unserer kirchlichen Gemeinden. „Haben die denn wirklich keine anderen Sorgen, als über den Termin einer Adventsfeier zu philosophieren?“ Doch, bestimmt: Wir haben als Seelsorger noch eine ganze Menge anderer Sorgen, aber zu ihrer je eigenen Zeit. Denn: „Alles hat seine Stunde  …“ (Koh 3, 1)!

Ihnen allen wünsche ich einen frohen Start in die Stunden, Tage, Wochen und Monate der Österlichen Bußzeit!

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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