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Alte Worte

Pastor Peter Lauschus

Als Schlusslied hatte ich Gotteslob 585 "Laßt uns erfreuen herzlich sehr." mit der Strophe 5 gewählt: "Ach nun vergiß auch unser nit, und teil auch uns ein Tröpflein mit!" Barock-Poesie vom Feinsten! Friedrich Spee von Langenfeld, einer der auch heute noch bekannten Dichter dieser Zeit.

Nach der Messe wurde ich angesprochen, eine besorgte Großmutter meinte (zu Recht), dass die Jugendlichen mit dieser Sprache nichts anfangen können, ob es nicht besser wäre, solche Lieder nicht zu singen; eine jugendgemäßere Sprache wäre doch wünschenswert.

Ein berechtigter Einwand, aber ich bin trotzdem dafür, auch die alten Lieder zu singen. Denn ansonsten verarmt die Sprache noch weiter: Der Wortschatz wird bereichert, wenn man auch andere "Sprachkulturen" kennenlernt. Und es kann nicht schaden, wenn man neue Worte kennen lernt, auch wenn sie schon alt sind. Denn je mehr Worte man zur Verfügung hat, desto besser und differenzierter kann man sich ausdrücken. Alles nur "geil" finden zu müssen, weil man keine anderen Worte hat, ist ärmlich. Auch transportieren die alten Texte oft Bilder, die uns heute zwar fremd sind, aber zum Nachdenken anregen können und uns so auch zu neuen Ideen führen können: Gotteslob 555 "Morgenstern der finstern Nacht" zum Beispiel ist voll von solchen Bildern, allein die Phrase "Leucht in meines Herzens Schrein!" kann einen lange beschäftigen und sogar zum Gebet anregen. "Aber das machen die jungen Leute doch nicht!", höre ich als Einwand. Gegenfrage: Machen es die Alten denn?

So haben wir einen Schatz, der leider nicht gehoben wird. Dabei könnte es sich auch positiv auf das Singen auswirken, wenn man etwas mit dem Text verbindet. Und das ist für mich der Kern: Was man mit dem Lied verbindet (Emotionen, Erinnerungen etc.) macht das Lied wertvoll, nicht so sehr der Text. "Das haben wir immer in der Jugendarbeit gesungen!", war vor einigen Jahren ein häufiges Argument von Brautpaaren, die "Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer." in ihrer Trauung singen wollten. Stutzig wurden sie, wenn ich auf Strophe drei hinwies: "Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen, und nur durch Gitter sehen wir uns an." Meistens war die Lösung, auf diese Strophe zu verzichten, aber das Lied trotzdem zu singen. Hoffen wir, dass der neue "Gotteslob", den es ab dem 1.Advent geben wird, viele Lieder enthält, die unsere Gemeinden zum Mitsingen, zum Nachdenken und zum Beten animieren!

Peter Lauschus, Vikar

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