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„Amoris laetitia“: Die Freude der Liebe?

Diakon Guido Schütte

Die Ordentliche Bischofssynode über die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung hat seit dem Jahr 2013 nicht nur die katholische Öffentlichkeit beschäftigt. Denn man erwartete von der katholischen Kirche unter anderem aktuelle und vor allem liberalere Aussagen zu den gern thematisierten Fragekomplexen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und so weiter. Außerdem wurden die Gläubigen im Verlauf der Synode erstmals ausführlich, vielleicht etwas sperrig, nach ihrer Meinung zu den Themenbereichen der Synode befragt. Nachdem die Abschlussdokumente 2015 an Papst Franziskus übergeben wurden, liegt nun dessen nachsynodales Schreiben mit dem Namen „Amoris laetitia“ vor, das die Ergebnisse vom kirchlichen Lehramt her aufarbeitet und in Geltung setzt. Darin bekräftigt der Papst die bestehende Sicht der Kirche auf Liebe, Ehe, Geschlechtlichkeit, Kinder, Familie. Zugleich nimmt er die Ortskirchen mit in die Entscheidungsverantwortung und legt fest, dass die Anwendung eines unverändert geltenden kirchlichen Rechts die Gewissensverfassung der Betroffenen nicht unberücksichtigt lassen darf. Und schon gibt es heftige Debatten.

Da sind zunächst die Enttäuschten. War ja eigentlich klar. Nichts hat sich geändert. Keine alte Vorschrift hat der Papst gelockert, modernisiert oder gar aufgehoben. Wo bleibt da die vielbemühte Barmherzigkeit? Ist es denn ein Wunder, wenn sich niemand mehr für diesen ewig gestrigen Kirchenverein interessiert? Solche Menschen verkennen die Wirkung der Aufhebung bisheriger Festlegungen auf diejenigen Gläubigen, die diese Festlegungen ganz selbstverständlich als zeitlos richtig empfinden und für ihr Leben angenommen haben.

Und dann die Entsetzten. Der Papst hat die Schleusentore geöffnet! Niemand kann voraussehen, was das für Folgen hat! Das braucht Nachbesserungen, Klarstellungen und überarbeitete Definitionen. Die Freiheit der Mitentscheidung der Ortskirche muss Richtlinien unterworden werden, sonst werden sie dort an Sachzwang-Erpressungen ersticken! Was hier passiert, hat viel Ähnlichkeit mit den Streitgesprächen zwischen Christus und den Pharisäern. Großzügigkeit? Barmherzigkeit? Wozu? Wenn alles wohlgeregelt ist, braucht es keine Großzügigkeit und keine Barmherzigkeit. Denn dann herrscht: Sicherheit!

Und was sagt Jesus Christus dazu? „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“, sagt er am Bergpredigt-Berg zu den versammelten Menschen (Mt 5,17). Ein guter Hinweis! Er findet sich wieder in dem Sprichwort: Ausnahmen bestätigen die Regel. Das bedeutet: Wer ein Gesetz, das das menschliche und auch das gott-menschliche Miteinander ordnen helfen soll, ohne Beachtung der Vielfalt der Verflechtungen rücksichtslos durchsetzt, handelt respektlos und unbarmherzig und erreicht früher oder später die Zermürbung der beteiligten Personen und des Gesetzes. Andererseits ist ein Gesetz aber nicht allein deswegen falsch, weil es nicht alle denkbaren Vorkommnisse in seinem Geltungsbereich berücksichtigt. Es behält seine Richtigkeit, wenn es mit der gebotenen Sorgfalt und Wahrhaftigkeit angewendet wird.

Genau dies greift Papst Franziskus auf, indem er auf die seit Jahrtausenden geltenden Regeln hinweist, sie bestätigt und im Lichte wirklicher Barmherzigkeit der Kirche neu vorlegt. Das ist wahrhaft christlich! Trotz aller denkbaren Risiken setzt er darauf, dass das Bestehende, im rechten Sinne angewandt, für jeden Menschen guten Willens eine tragfähige Antwort bereithält. Wünschen wir dem Papst und uns, dass das verstanden und auch so beherzigt wird!

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

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