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Angst vor dem Islam?

Diakon Manfed Lohmann

Es gibt bei uns in Deutschland, ja ich glaube in weiten Teilen Europas, eine Angst vor einer möglichen Islamisierung, die nicht immer rational zu begründen ist.

Ja und ich gebe es zu, ein gewisses Unbehagen kommt auch in mir immer wieder hoch angesichts des Zustroms fremder Menschen aus mir fremden Kulturen, aber auch nach den Anschlägen von Paris und Brüssel. Natürlich darf der Terror von Brüssel oder Paris nicht für Islamophobie missbraucht werden. Aber es ist auch naiv, solche Wahnsinnstaten auf ein Problem der inneren Sicherheit oder der verpassten Integration zu reduzieren. Denn es müsste inzwischen allen klar sein, dass da nicht einfach ein paar durchgeknallte Globalisierungsverlierer am Werk sind. Wer bereit ist, sich ins Jenseits zu sprengen, den kann man nicht mit Jobs und Handys zum angepassten Konsumbürger machen. Fragen die im Raum stehen sind: „Was passiert, wenn uns eine Fremde Religion überrollt? Was ist, wenn das christliche Abendland seine gewachsene Prägung verliert?“ Aber schnell kommen dann auch ganz andere Gedanken in mir hoch: Verliert nicht das sogenannte christliche Abendland gerade dann seine Prägung, wenn Toleranz und Gastfreundlichkeit nicht mehr gelebt wird? Verlieren wir als Christen nicht unsere Glaubwürdigkeit und entfernen uns von dem Zentrum der urchristlichen Botschaft des Evangeliums, wenn wir nicht im Geist Jesu freundlich und herzlich auf andere Menschen zugehen? Ja muss sich eine christliche Kultur, die mit Überzeugung gelebt wird, wirklich davor fürchten, dass sie von anderen Glaubensvorstellungen überrollt wird?


Da scheint mir der Knackpunkt zu liegen: Vielleicht hätte das christliche Abendland, hätten wir Christen viel weniger Angst vor dem Islam, würden wir auch viel überzeugender, auf gläubige Moslems, wirken wenn wir unseren Glauben und unsere christlichen Überzeugungen,so wir sie denn überhaupt haben, leidenschaftlicher, fröhlicher und profilierter ausdrücken würden? Hat die Angst vor dem Fremden nicht vielmehr ihren Nährboden in unserer Unsicherheit und Unfähigkeit, den eigenen Glauben in Worte und Taten zu fassen? Nur wer seiner eigenen Identität sicher ist, sie mit Leben füllen kann, kann auch ohne Scheu auf die Anhänger anderer Religionen und Kulturen zugehen und ihnen auch mit offenen Armen begegnen. Das ist die beste Werbung für die eigene Kultur und ihren christlichen Hintergrund.

Manfred Lohmann CIC

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