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Seite: Aperuit-Illis.1798.0.html
Datum: 08. Dezember 2019 - 09:46 Uhr

„Aperuit Illis“

Unter diesem Titel hat Papst Franziskus am 30. September ein Dokument in Form eines Motu Prioprio zur Einführung des „Sonntags des Wortes Gottes“ erlassen. Motu Prioprio ist die abgekürzte Formel für „Litterae Apostolicae Motu prioprio datae“ (Schreiben aus eigenem Antrieb“).
Es ist also keine Antwort auf eine Bitte oder einen Antrag, aber ein Erlass des Papstes aus eigenem Beweggrund.
Der lateinische Titel „Aperuit illis“ stammt aus dem Lukas Evangelium, Kapitel 24, Vers 45: „Er öffnete ihren Sinn für das Verständnis (der Schriften)“.
Die Idee zur Einführung eines solchen Sonntages hat der Papst schon am Ende des außerordentlichen Jahres der Barmherzigkeit gehabt, und es ist ein nächster Teil in der Geschichte, wie sich die Kirche mit dem Wort Gottes beschäftigt. Dabei wird erinnert an die Dogmatische Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Die Verbum“ und an die Bischofssynode zum Thema „Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ mit dem nachsynodalen apostolischen Schreiben „Verbum Domini“.
Der Papst schreibt: „Die Beziehung zwischen dem Auferstandenen, der Gemeinschaft der Gläubigen und der heiligen Schrift ist für unsere Identität äußerst wichtig. Ohne den Herrn, der uns in die Heilige Schrift einführt, ist es unmöglich, sie in ihrer Tiefe zu verstehen. Das Gegenteil ist aber ebenso wahr: ohne die Heilige Schrift sind die Ereignisse der Sendung Jesu und seiner Kirche in der Welt nicht zu verstehen.“
Diese entscheidende Beziehung zum lebendigen Wort Gottes darf nie fehlen, und so legt der Papst fest, dass der dritte Sonntag im Jahreskreis der Betrachtung und der Verbreitung des Wortes Gottes gewidmet werden soll und „Sonntag des Wortes Gottes“ genannt werden soll. Der erste Sonntag im Jahreskreis ist das Fest Taufe des Herrn, was wiederum dem Hochfest der Drei Könige folgt. Somit wird dieser Sonntag des Wortes Gottes an das Ende des Monats Januar fallen, im Jahr 2020 ist das der 26 Januar und im Jahr 2021 der 24 Januar.
Der dritte Sonntag im Jahreskreis wurde gewählt, weil es auch von ökumenischer Bedeutung ist. In dieser Zeit wird um die Einheit der Kirche gebetet (18. – 25. Januar), und wir festigen unsere Beziehungen zu den Juden.

Es werden auch Vorschläge gemacht, wie man diesen Sonntag feiern kann:
Die Bischöfe können an diesem Sonntag die Beauftragung zu Lektorat oder einem ähnlichen Dienst erteilen.
Die Pfarrer werden Wege finden können, die Bibel oder eines ihrer Bücher der ganzen Gottesdienstgemeinde zu übergeben um hervorzuheben, wie wichtig das Lesen der Heiligen Schrift im Alltag wie auch das Beten mit ihr ist.

Besonders möchte ich folgende Teile des Schreibens zitieren:
1.    Da die Schriften von Christus sprechen, können wir glauben, dass sein Tod und seine Auferstehung nicht der Mythologie angehören, sondern geschichtliches Ereignis sind und im Zentrum des Glaubens seiner Jünger stehen.
2.    Die Verbindung zwischen der heiligen Schrift und dem Glauben der Getauften ist tief. Da der Glaube vom Hören kommt und das Hören auf das Wort Christi ausgerichtet ist, ergibt sich daraus die Einladung an die Gläubigen, die Dringlichkeit und Wichtigkeit des Hörens auf das Wort des Herrn sowohl in der Liturgie als auch im persönlichen Beten und Betrachten ernst zu nehmen.
3.    Die Beziehung zwischen der Heiligen Schrift und der Eucharistie ist tief. Als Christen sind wir ein Volk, das in der Geschichte unterwegs ist, gestärkt durch die Gegenwart des Herrn in unserer Mitte, der zu uns spricht und uns nährt.
4.    Die unbestreitbaren historischen Wurzeln der in der Heiligen Schrift enthaltenen Bücher dürfen uns das ursprüngliche Ziel nicht vergessen lassen, nämlich unsere Erlösung. Alles ist auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Sie ist als Heilsgeschichte verfasst, in der Gott spricht und handelt, um allen Menschen zu begegnen und sie vor dem Bösen und dem Tod zu retten.
5.    Um dieses Heil zu erreichen, verwandelt die Heilige Schrift unter dem Wirken des Heiligen Geistes das nach Menschenart verfasste Menschenwort in Gotteswort. Ohne sein Wirken gäbe es immer die Gefahr, im bloß geschriebenen Text eingeschlossen zu bleiben.
Der Heilige Geist verwandelt die Heilige Schrift in lebendiges Wort Gottes, das im Glauben seines heiligen Volkes gelebt und weitergegeben wird.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen:
P. Norbert Wientzek SVD