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Auf die Stille hören

Diakon Guido Schütte

Gern erinnere ich mich an Exerzitientage im „Haus der Stille“ der Benediktinerabtei Königsmünster, einem Gebäude des Architekten Peter Kulka, das sich in Ausführung und Ausstattung kompromisslos auf das Nötigste beschränkt. Nichts soll den Gast vom Ziel seines Besuches ablenken. Kein Fernseher, Radio, Telefon. Wände und Decken der Räume zeigen den nackten Beton. Möblierung, Vorhänge, Bettwäsche und Handtücher: Schlichtweiß. In der Hauskapelle wurde sogar auf den Fußbodenaufbau verzichtet; die Luft dort trägt den etwas scharfen Geruch von rohem Estrich. Durchbrochen wird diese Kargheit allein von raumhohen Fenstern, die den Blick auf die Apfelwiese der Abtei freigeben, und einer Rose auf dem Schreibtisch. Die harten Betonwände machen das Haus hellhörig, die Ruhe hängt also ab von der Zurückhaltung der Gäste.

Kann man sich dort geborgen fühlen? Nach meiner Erfahrung schon. Einen Abend habe ich zum Beispiel damit verbracht, vor dem Fenster zu sitzen und das Evangelium des Tages wieder und wieder zu durchdenken – stundenlang, bis die Sonne untergegangen war. Immer mehr verstand ich den Text, konturenscharf wie nie zuvor zeichnete sich die Fülle seiner Aussage vor mir ab. Keine Minute war vertan! Ein zutiefst beeindruckendes Erlebnis. Ein Geschenk...

..., mit dem ich mich in bester Gesellschaft befinde: Jesus Christus, so wird uns überliefert, begab sich 40 Tage lang in die Einsamkeit der Wüste, bevor er öffentlich zu wirken begann. Die Wüstenväter folgten dem Herrn in diese Notwendigkeit der Stille und kamen dabei zu Einsichten, die unsere christliche Kultur bis heute fruchtbar prägen. Und in Psalm 131 (Hfa) heißt es:
Herr, ich bin nicht hochmütig und schaue nicht auf andere herab.
Ich maße mir nicht an, deine Geheimnisse und Wunder zu ergründen.
Ich bin zur Ruhe gekommen. Mein Herz ist zufrieden und still.
Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir!
Volk Israel, vertraue dem Herrn, jetzt und für alle Zeiten!

Haus der Stille, Meschede: Der Blick aus dem Fenster

Denn Schweigen und auf die Stille hören bedeutet: Zurückgeworfen werden auf sich selbst und auf die Stimme Gottes im Herzen. Natürlich auch auf die Seelenlasten, die ebenfalls verarbeitet werden wollen. Nach und nach gelingt es dann, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, um mit Gott in eine freie Beziehung treten zu können.

Oft habe ich den Eindruck, dass der „moderne Mensch“ genau diese Konfrontation mit allen Mitteln zu verdrängen versucht und sich stattdessen in das mannigfaltige Gebrüll der Massenmedien flüchtet. Damit verpasst er die Erfahrung der größeren inneren Freiheit, die erst wirken kann, wenn die Hürde der Entrümpelung überwunden ist. Der immer seltener werdende Empfang des Bußsakramentes zeigt in die gleiche Richtung.

Dabei wissen wir in der Kirche seit alters her, dass Stille und Besinnung letztlich mehr Zeit sparen, als dafür benötigt wird: Weil es zutiefst menschlich ist, mit Gott und sich selbst im Reinen zu sein zu wollen.


Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

 


 

Den gesprochenen Text dieses Beitrages finden Sie hier.

 

 

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