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Berufen !

Gemeindereferentin Bilinda Jungblut

Am 21. November 2009 hat unser Erzbischof beim „Diözesanen Forum“. als zentrales Kriterium für das pastorale Handeln in unserem Erzbistum die Pastoral der Berufung benannt. Was ist mit diesem Schwerpunkt „Berufung“ gemeint? Geht es um den Priesterberuf oder Ordensstand oder um etwas ganz anderes?

Unser Erzbischof möchte diesen Begriff auf drei unterschiedlichen Ebenen verstanden wissen:

 

1. Berufung zum Menschsein

Jeder Mensch als Ebenbild Gottes – egal ob Bettler oder Millionär, Gesunder, Kranker, Behinderter, ganz gleich welcher Nationalität oder Religion angehörig – ist einmalig, unverwechselbar und unendlich wertvoll. Kein Mensch ist ein Zufallsprodukt, sondern durch Gottes Schöpferkraft ins Leben gerufen.

Als von Gott gewolltes, bejahtes und geliebtes Wesen ist jeder Mensch dazu berufen, in dieser Welt seinen ganz individuellen Weg zu gehen und immer mehr seine Begabungen und Fähigkeiten, seine eigene Meinung, Werte und Lebensform zu entwickeln.

So ist der Mensch zunächst und vor allem dazu berufen, Mensch zu sein, seine Würde – die ihm niemand nehmen kann – in jeder Phase seines Lebens bewusst zu realisieren und sich als soziales Wesen in Gemeinschaft einzubinden. Leicht gesagt, doch nicht einfach zu praktizieren, denn der Mensch neben mir, ist ebenso Ebenbild Gottes und mit der gleichen Würde ausgestattet wie ich.

2. Berufung zum Christsein

Durch die Taufe wird der Christ über die Berufung zum Menschsein hinaus in den Bund mit Gott und in die Nachfolge Jesu Christi hineingenommen. Er wird eingeladen, Gott – den Rufenden und Werbenden und nicht Zwingenden – die erste Stelle in seinem Leben einzuräumen und ihn authentisch zu bezeugen.

Aber wie kann das geschehen? Wie kann ich ihm als Getaufte /Getaufter Antwort geben auf seinen Ruf?

In erster Linie kommt es sicherlich darauf an, aus einer lebendigen, persönlichen Beziehung zu Jesus Christus mein Leben zu gestalten. Eine solche Haltung meint nicht vordergründig Leistung, etwa das Absolvieren von einer Reihe von Gebeten oder guten Werken. Eine solche Haltung meint: Leben in der Gegenwart Gottes, der in Jesus von Nazareth Gottes menschliches Gesicht zeigt. All das, was mich bewegt, vertraue ich Jesus an, weil ich mich in meinem Menschsein von ihm verstanden und getragen fühlen kann.

Berufung zum Christsein findet auch nicht allein dadurch Ausdruck, dass ich mich in den engsten Binnenkreis von Kirche still zurückziehe, sondern im ganz konkreten Alltag: in Mitmenschlichkeit und Verantwortung innerhalb der Familie und am Arbeitsplatz, durch Solidarität mit den Schwachen, im sozialen und kirchlichen Engagement, im glaubwürdigen Einsatz in Politik und Gesellschaft.

Ich bin gefragt, Gottes Reich, seine Herrschaft hier mitten unter uns in unserer heutigen Gesellschaft und Kirche sichtbar zu machen. Auch auf mich persönlich wird es ankommen, ob Jesu Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen morgen noch gehört, geglaubt und gelebt wird.

3. Berufung zum Amt

Amt ist hier in zweifacher Weise zu verstehen: das Weiheamt und das Ehrenamt. Ich möchte mich hier einmal mehr auf das Ehrenamt beziehen.

Im Moment sind noch viele Menschen – junge und alte – in unseren christlichen Gemeinden und in der Gesellschaft bereit, sich in den Dienst anderer zu stellen. Ihnen gilt unser aller Dank und unsere hohe Anerkennung.

Wie sich augenblicklich die Situation der Kirche entwickelt, wird es m. E. bald unumgänglich sein, dass sich möglichst alle Gemeindemitglieder nicht nur als Konsumenten, sondern als Ehrenamtliche verstehen. Christliche Gemeinschaft wird in Zukunft nur Ausstrahlungs- und Anziehungskraft haben, wenn sich alle Getauften und Gefirmten einbringen. Es gilt also, den eigenen Glauben, die eigene Berufung zu überdenken, sich bewusst zu entscheiden und Stellung zu beziehen.

Das 2. Vaticanum betont, dass „alle Christgläubigen jeglichen Standes und Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind“ (Lumen Gentium). Das bedeutet, dass die Träger des Weihe- und des Ehrenamtes noch enger zusammenrücken und miteinander auf Augenhöhe sich verantwortlich wissen um das Reich Gottes in der Welt.

Liebe Mitchristen, Sie werden sich nun sicherlich fragen, warum ich dieses Thema gerade hier im Pfarrblatt aufgreife.

Zum einen wird sich in unserem Erzbistum in den nächsten Jahren die Seelsorge an diesem Schwerpunkt „Berufung“ orientieren und zum andern möchte ich Sie einladen, sich mit dem Thema Berufung in Ihrer Familie, am Arbeitsplatz und in den unterschiedlichen Gruppen und  Kreisen auseinander zu setzen. Diskutieren Sie darüber, was Berufung für Sie selbst bedeutet und was sich in der Kirche unter diesem Fokus ändern wird und ändern muss.

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