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„Bin ich daheim?“

Diakon Gottfried Rempe

In vielen Kirchen lässt sich in den frühen Morgenstunden der Adventszeit schon ein „geschäftiges Treiben“ beobachten. Menschen unterschiedlichen Alters machen sich in dieser Zeit sehr früh am Morgen auf den Weg und gehen zur „Frühschicht“ oder „Rorate Messe“ in die Kirche. Oft sind diese frühen „Gottesdienste“ besser besucht als die übrigen Messfeiern.

Was macht diese frühmorgendlichen Gottesdienste eigentlich aus? Warum werden Menschen, die oft mit Kirche nichts „am Hut“ haben, von diesen Feiern angesprochen? Dunkelheit, Kälte auf der einen Seite; das Licht der Adventskerzen, Lieder und Texte in den Morgen gesungen oder gesprochen auf der anderen Seite. Es bedeutet für viele dieser Gottesdienstbesucher mehr als eine willkommene Herausforderung, in den Wochen vor Weihnachten  früher aufzustehen, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden.

„Wachet auf, ruft uns die Stimme!“- so heißt es in einem adventlichen Lied dazu. Es sagt aus, was Advent auch sein will: nämlich - neben all dem geschäftigen Treiben und dem versüßt-kitschigen Weihnachtsmarkttrubel - eine Zeit der Erwartung, eine Zeit des „Wachseins“, eine Zeit des neuen „Bewusstwerdens“.

Vom berühmten bayrischen Volksschauspieler Karl Valentin stammt der Satz: „Heute besuch ich mich - hoffentlich bin ich daheim.“ Ich denke, hinter diesem tiefsinnigen Satz steht etwas sehr Wesentliches und auch für uns Christen immer wieder „Nachdenkens-Wertes“. Der Advent kann für mich wieder eine Zeit des „Besuches“ werden.

Ich besuche mich selbst. Was und wen werde ich antreffen? Einen Menschen mit Ängsten? Einen Menschen mit unerfüllten Sehnsüchten? Einen zufriedenen, ausgeglichenen und hoffnungsfrohen Menschen? Oder treffe ich einen griesgrämigen, zynischen, überforderten Menschen oder einen trauernden, von Schmerzen gepeinigten, einen frohen, ehrgeizigen oder lebenslustigen Menschen?

Was für eine Rolle spielt Gott dabei in meinem Leben - in meinem Alltag? Wo gibt es Nischen und Zeiten des Gesprächs, des Gebetes mit bzw. zu ihm? „Im Advent besuche ich mich selbst; hoffentlich bin ich zu Hause auch anzutreffen.“

Ich wünsche Ihnen und mir, dass dieser Besuch gelingt und Sie und ich anzutreffen sind und uns, wenn nötig, neu positionieren in dieser Adventszeit, viele Gelegenheiten zum Wachen, zum bewussten Erwarten Gottes zu Weihnachten.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Diakon Gottfried Rempe

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