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Bunt wie ein Kirchenfenster

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,

bunt leuchtende Bleiglasfenster schmücken viele unserer Kirchen. Zunächst wurde diese Technik nur für die Fenster der großen Kathedralen angewandt. Mit der Zeit gelangten sie auch in Kloster- und Pfarrkirchen. Berühmt und beeindruckend sind die sogenannten Fensterrosen. Dabei handelt es sich um kreisförmige, mit Maßwerk gefüllte und mit farbigen Glasmalereien geschmückte Radfenster, die vor allem über Portalen und in Querschiffgiebeln zu bestaunen sind. Auch in moderner Architektur können sie ihre Wirkung entfalten.

Das Bildprogramm fällt unterschiedlich aus. Erzählungen der Heilsgeschichte werden ebenso dargestellt wie Heiligenlegenden oder Teile des christlichen Glaubensbekenntnisses. Moderne Kirchenfenster können sogar abstrakt und damit vieldeutig sein.

 

Entscheidender noch als die dargestellten Inhalte der Fenster ist das Lichtspiel, das durch sie eröffnet wird. Bunte Kirchenfenster tauchen den Raum in ein mystisches Licht. Gerade so wird das Sonnenbildhafte von Fensterrosen besonders deutlich, mit dem eine eigene Lichtsymbolik einhergeht. Christus ist das „aufstrahlende Licht aus der Höhe.“ (Lk 1,78). Er ist „das Licht der Welt“ (Joh 8,12) und das „wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.“ (Jo 1, 9).

 

Wurden in Zeiten, als viele Menschen nicht lesen konnten, diese Fenster als „Bilderbibel“ oder buntes Glaubensbuch genutzt, so hatten sie ihren Wert aber auch schon allein durch ihre Farbigkeit. Denn es braucht nicht viel Vorstellungskraft, dass ohne Fernsehen und bunte Bilder in den Zeitungen die Umgebung recht einfarbig ist. Die großen Fenster in den Kirchen waren oft der einzige zugängliche bunte Bilderbogen für viele Menschen. Und so konnten sie an den Fenstern ablesen, dass das Leben bunter war, als ihr vielfach grauer Alltag.

 

Für uns heute sind sie zunächst Gegenstand der Bewunderung für Menschen, die mit viel weniger Technik und Chemie viel schönere Dinge herstellen konnten, als wir heute. Sodann legen sie Zeugnis ab, dass der Glaube viel bunter und vielfältiger ist, als manche monotone Predigt es erahnen lässt. Seit Gründung des Pastoralverbundes wechseln wir Hauptamtliche, Priester, Diakone, Gemeindereferenten, uns bei Predigt und Katechese in allen Gemeinden ab. Zunächst war es ungewohnt und unruhig, dass immer wieder ein anderer aus der Sakristei kommt. Mittlerweile aber kann man dankbar sein für die Abwechslung und Verbuntung des Predigtlebens in unseren Gemeinden.

 

In der letzten Ausgabe habe ich im Zusammenhang mit der Kirchenvorstandswahl von der Verbuntung des kirchlichen Lebens gesprochen. Und auch dafür sind die bunten Kirchenfenster in unseren Kirchen ein Symbol. Natürlich kann alles in unserem Pastoralverbund vereinheitlicht, zusammengelegt und zentralisiert werden, aber das geht an der Wirklichkeit vorbei. Wir brauchen nicht eine grosse Caritaskonferenz im Pastoralverbund, sondern viele Gläubige die vor Ort in ihrer Gemeinde die Menschen besuchen. Wir brauchen nicht einen großen Kirchenvorstand, sondern viele Gläubige, die sich vor Ort um ihre Kirche kümmern. Und so weiter

 

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer

Hubertus Rath

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