Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

Danke

Pater Michael Janmieling

Wie fühlen Sie sich, wenn Ihnen jemand „Danke“ sagt? Wenn es ehrlich gemeint ist, hört jeder von uns dieses Wort sicher sehr gerne. Obwohl es so kurz ist, zeigt es gewöhnlich eine große Wirkung. Wenn uns jemand dankt, dann wissen wir oft, warum, aber manchmal muss man auch nachfragen: „Wofür?“

Als Seelsorger erlebe ich immer wieder Menschen, die mir danken (Gott sei Dank). Manchmal kommt es zum Beispiel vor, dass mir jemand nach der Messe einfach nur sagt: „Vielen Dank!“ Aber dann stelle ich auch die Frage: „Wofür?“ Und dann höre ich vielleicht die Antwort: „Für den Satz in der Predigt, genau den habe ich heute gebraucht...“ Was ich da in der Predigt gesagt habe, war für mich vielleicht nur eine Nebensächlichkeit und bedeutungslos, aber durch den Dank wird mir auf einmal bewusst, was mir vorher nicht klar war. Es ist oft dieses kleine Wort, das so manches, was wir als geringfügig betrachten, in ein anderes Licht stellt. Dank aussprechen, ihn zu fühlen und zu empfinden, bereichert einfach das Leben.

Wenn ich am Abend ins Bett gehe, dann bete ich. Ich lasse vor mir den Tag noch einmal ablaufen. Ich versuche, nicht über alles zu jammern und zu stöhnen, sondern zuerst auf das zu schauen, wofür ich Gott danken kann. Auch da erlebe ich, dass viele Kleinigkeiten des Alltags für mich in einem anderen Licht dastehen, dass der Dank meine Blickrichtung verändert. Denn schließlich geht es im Gebet darum nachzuspüren zwischen all unseren Aktivitäten, ob hier und dort nicht doch Gott am Werk ist. Danken ist für mich nicht nur eine Höflichkeitsfloskel, sondern es kann uns Menschen verwandeln.

Vor einiger Zeit feierte ich eine Messe in einer unserer Reha-Kliniken. Gleich zu Beginn kam ein Mann auf mich zu, der mich bat, ob wir nicht am Schluss der Messe das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ singen könnten. Er erklärte mir kurz, dass er mit seiner Krankheit Glück gehabt habe, und er sei dem „Tod noch einmal von der Schippe gesprungen“ und jetzt wollte er Gott dafür danken. Vor dem Schlusslied habe ich allen Anwesenden erklärt, warum wir dieses Lied nun singen, hatte aber bewusst nicht gesagt, wer nun der Patient sei. Als wir aber das Lied sangen, war es unüberhörbar, wer es war, denn mit einer solchen Inbrunst habe ich dieses Lied noch nie jemanden singen gehört. In dem Moment spürte jeder, wie dieses Lied uns allen unter die Haut ging. Es hatte uns getroffen. Und ich glaube, mehreren wurde in dem Moment bewusst, dass das eigene Leben ein Geschenk ist.

Ich habe den Mann nicht mehr wieder gesehen, aber ich höre ihn noch, wie er den Flur entlang ging und weiter das Lied voller Dankbarkeit vor sich her summte. Gründe, über dieses Leben zu jammern, finden wir immer, aber es gibt ebenso viele Gründe dafür zu danken, und ich hoffe, dass wir sie entdecken, denn das verändert uns.

 

Ihnen ein gute Woche,

P. Michael Janmieling

11.058.356  Besucher seit 09.2009