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„Darf es etwas mehr sein?“

Diakon Gottfried Rempe

Alle, die schon einmal in einer Metzgerei eingekauft, an einer Käsetheke gestanden, auf dem Markt Gemüse oder Kartoffeln kaufen wollten, hörten nicht selten die Frage: „Darf es etwas mehr sein?“ In der Regel sind wir bereit, die etwas größere Menge zu akzeptieren. Einige Gramm mehr strapazieren ja unsere Geldbörse nicht über Gebühr. Wenn es um unseren täglichen Nahrungskonsum geht, sind wir oftmals großzügig.

Augenblicklich finden in unseren Kirchen die Erstkommunion- und Firmfeiern statt. Junge Menschen erleben nach einer längeren Vorbereitungszeit die Begegnung mit Jesus Christus im Sakrament der Eucharistie bzw. den Empfang des Heiligen Geistes in der Firmung. Welche Erwartungen stellen wir an den Empfang dieser Sakramente? Geht es nur noch um „Scheinveranstaltungen“, um das Praktizieren kirchlicher Rituale, die aber kaum Nachhaltigkeit bewirken? Welche Akzeptanz erfahren unsere Kinder und Jugendlichen, die sich auf die Erstkommunion oder Firmung vorbereitet haben, nach diesen „Festtagen“ in unseren Gemeinden? Haben wir sie auch nach der Vorbereitung noch im Blickpunkt? „Darf es auch nach den Feierlichkeiten noch etwas mehr sein?“ Es ist nicht nur die Aufgabe der „Hauptamtlichen“, sich dieser jungen Menschen nun weiterhin anzunehmen. Hier sind alle Christinnen und Christen in unseren Gemeinden gefragt, eine sinnvolle Perspektive im Leben unserer Gemeinden zu geben. Fantasie und ein offenes „Aufeinanderzugehen“ sind gefragt. Wir beklagen immer häufiger das Desinteresse der Jugend am Glauben und an der Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen in unseren Gemeinden. Liegt es nur an den jungen Menschen? Das Elternhaus ist zunächst der vorrangige Ansprechpartner und Motivator für eine religiöse Ausrichtung und Erziehung. Das wurde jedenfalls bei der Tauffeier der Kinder versprochen! Hier dürfte es vielfach auch „etwas mehr sein“. Wir als getaufte Christinnen und Christen müssen aber auch bereit sein, das „Anderssein“ und „Andersdenken“ der heranwachsenden Jugendlichen zu akzeptieren. In den Familien- und Jugendgottesdiensten wird eine andere Sprache gesprochen, werden andere Lieder gesungen, als sie der sonntägliche Gottesdienstbesucher kennt. Wenn wir nicht bereit sind, uns darauf einzulassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich junge Menschen in unseren Kirchen nicht mehr verstanden und angesprochen fühlen.

Den Jugendlichen möchte ich aber auch mit auf den Weg geben: Ihr habt bei der Erstkommunion und bei der Firmung auf die Frage „Glaubt ihr an Gott, den Vater den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde?“ geantwortet: „I c h glaube.“ Lasst dieses Bekenntnis nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern zeigt es in eurem Leben! Lasst euch nicht von einer Scheinwelt blenden. Wenn Gott euch fragt: „Darf es ein bisschen mehr sein?“, so seid bereit, dieses Mehr, wozu ER euch im Sakrament der Eucharistie und der Firmung seine Gnade und Kraft geschenkt hat, in eurem Leben zu verwirklichen. Gott ist da für euch. Davon könnt ihr ausgehen, darauf könnt ihr euch verlassen! Wer IHM vertraut, der muss nicht nur um sich selbst besorgt sein, der hat Kopf und Herz frei, sich auch anderen Menschen zuzuwenden, dem Mitschüler, der Mitschülerin, dem Freund, der Freundin, die nach einem Ausweg aus einer Lebenskrise suchen. Denkt immer daran: Wo wir dem Evangelium, der frohen Botschaft trauen, da reden wir nicht alles schön, sondern da wächst Zivilcourage für euch zum klaren Wort gegen das Verdrängen der Realität in der Welt. Eure Glaubensüberzeugung muss mehr zählen als Geld, euer Herz ist für unsere Gesellschaft wichtiger als die Ellenbogen. „Lasst es in eurem Leben etwas mehr sein!“

Eine gute Zeit wünscht Ihnen/Euch
Gottfried Rempe, Diakon

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