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Das Knien

Pater Michael Janmieling

Als Kinder saßen wir am Sonntag in der Kirche immer ganz vorne in den ersten Bänken. Unser Pfarrer konnte die Kinder immer begeistern und auch zum Wesentlichen hinführen. Doch eines fiel mir immer schwer: das Knien. Die Kniebänke waren dermaßen hart, so dass sich manches Kind schon manchmal ein Taschentuch unter die Knie legte. „Warum muss man nur so lange knien?“, das war meine Frage. Aber es war halt so, und man nahm es halt hin und wichtig war ja nur zu wissen, wann man sich bei der Messe hinknien musste.

Was erzählen Sie heute ihren Kinder oder Enkelkindern, wann und warum man während der Heiligen Messe kniet? Ist es überhaupt noch zeitgemäß?

Der Mensch ist nicht nur Geist und Seele, er hat auch einen Leib. Wenn wir miteinander reden und kommunizieren, dann geschieht vieles über unsere Gestik und Haltung. Ein Gespräch am Telefon ist etwas anderes als ein Gespräch mit einer Person, die direkt vor mir steht. Beim Beten ist es auch nicht anders. Es ist nicht egal, ob ich aufrecht sitze, ob ich in auf dem Sofa liege oder ob ich knie. Inneres Beten und meine äußere Haltung gehören zusammen. Mit meinem Leib versuche ich die innere Haltung meiner Seele auszudrücken. Von dem einen kann ich auf das andere schließen. Deshalb haben die Haltungen bei der Messe auch eine bestimmte Bedeutung.

Das Knien deutet hin auf die Haltung der Anbetung, der Demut und der Ehrfurcht. Durch das Knien sage ich: Du bist der große Gott vor dem ich nicht nur einfach stolz dastehen kann. Du bist es, durch den ich bin. Wenn ich etwas bin, dann gerade durch Dich. Und wenn ich in dieser Welt stehen kann, dann gerade durch Dich.

Romano Guardini drückt es so aus: Wenn du die Knie beugst, dann lass es kein hastiges-leeres Geschäft sein. Gib ihm eine Seele. Die Seele des Kniens aber ist, dass auch drinnen das Herz sich in Ehrfurcht vor Gott neige; in jener Ehrfurcht, die nur Gott erwiesen werden kann; dass es anbete. Wenn du in die Kirche kommst, und niederkniest, tief, langsam, dann soll dein ganzes Sein sprechen: „Mein großer Gott...!“

Das Knien ist aber gleichzeitig nicht der Ausdruck, dass wir uns vor Gott ständig klein machen müssen. Es ist keine duckende Haltung vor einer fernen großen Macht, sondern vor dem, der sich selber vor uns hingekniet und uns die Füße gewaschen hat. Es ist vielmehr eine Haltung, durch die uns unsere Freiheit wieder bewusst werden soll. So sollten wir auch den Gottesdienst wieder verlassen, als aufgerichtete Menschen, gesandt andere Menschen wieder aufzurichten.


P. Michael Janmieling

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