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Das Zukunftsbild des Erzbistums Paderborn (4)

Diakon Guido Schütte

 

Liebe Schwestern und Brüder,

die sechste These des Zukunftsbildes lautet:

Die Gegenwart bejahen.

Die Kirche von Paderborn ist entschlossen, eine Kirche im Aufbruch zu werden. Sie vertraut darauf, dass Jesus Christus heute nicht weniger als in früheren Zeiten bei den Menschen ist. Diese Menschen will sie immer tiefer verstehen und die Begegnung mit ihnen suchen. Sie tut dies, indem sie Chancen und Möglichkeiten schafft, in unserer säkularen und pluralen Gesellschaft zu wirken.

Die Gegenwart bejahen, die Menschen immer tiefer verstehen – da hat sich die Kirche von Paderborn einiges vorgenommen. Zu dieser kirchlichen Gegenwart fällt mir als erstes die Zufriedenheitsstudie unseres Nachbarbistums Münster ein, deren ernüchternde Ergebnisse Anfang März vorgestellt wurden: Nur 28% der Befragten empfinden wirkliche Zufriedenheit mit der Kirche. Über 22% der Katholiken sind austrittsgefährdet. Als Hauptgrund für einen möglichen Kirchenaustritt wird die „Rückständigkeit der Kirche“ genannt (56%), gefolgt von der Kirchensteuer (40%) und der „Enttäuschung über die Kirche“ (37%). Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bildungsangebote, gemeinschaftliches Miteinander und caritative Leistungen der Pfarrgemeinden werden von den Gemeindemitgliedern wesentlich schlechter bewertet, als es das kirchliche Personal tut.

Woran liegt es? Betrachten wir zum Beispiel den Erlebnishorizont, den ein Katholik ohne tiefere kirchliche Bindung – das sind bei 13% Gottesdienstbesuchern rechnerisch 87% unserer Gemeindemitglieder! – heutzutage vorgeführt bekommt: Was er von der Kirche weiß, erfährt er nicht durch seine Pfarrgemeinde, sondern zum Beispiel durch die „säkularen“ Massenmedien, von denen sich manche mit Quotenoptimierungen deutlich besser auskennen als mit journalistischer Sorgfalt. Es werden über die Kirche und das kirchliche Geschehen die erstaunlichsten Aussagen verbreitet und für wahr gehalten. Kirchliche Nachrichten rücken erst in die Schlagzeilen auf, wenn sie negativ genug dafür sind. Auch wenn wir „mit unseren Angeboten die Menschen in der heutigen Welt erreichen“, wie die Klausurtagung von PGR-Vorständen und Pastoralteam zu Recht festgestellt hat: Die Volkskirche hat in der öffentlichen Wahrnehmung ihre Heiligkeit verloren, ist eine „Hilfsorganisation“ unter vielen geworden. Sie hat das Privileg verspielt, bei Fragen zu Heil und Ethik als erstes gehört zu werden, als sie die Gläubigen mit Drohungen vom thronenden Weltenrichter, der alles sieht, in die Gottesdienste und Beichtstühle gezwungen hat. Als dann das Zweite Vatikanische Konzil die Zügel lockerte, blieben viele Menschen der Kirche fern, weil ihnen die Befreiung vom Zwang wichtiger war als die Zugehörigkeit zu einer Heilsgemeinschaft.

„Unser Lebensweg ist wie der Weg der Jünger nach Emmaus: Christus ist bei uns, geht mit uns, aber wir erkennen ihn nicht“, beschrieb es Pater Michael im Ostermontagshochamt. Auch ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Jesus Christus heute nicht weniger als in früheren Zeiten bei den Menschen ist. Aber das baut die Menschen nur dann auf, wenn sie aktiv damit umzugehen wissen und diesen Christus in ihrem Leben heilsam wahrnehmen können.

Genau das ist es, worauf das Zukunftsbild hinarbeiten will: Wenn wir den heutigen Menschen immer tiefer verstehen gelernt haben, müssen wir den glaubwürdigen Hinweis auf die Gegenwart Christi unter den heutigen Bedingungen neu kultivieren. Denn ein lebendiges christlich-kirchliches Leben ist keinesfalls „rückständig“, sondern zeitlos wertvoll!

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

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