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Dein Wort
ist ein Licht auf meinen Pfaden

Pfarrer Hubertus Rath

Dieser Vers aus den Psalmen stand als Motto über dem diesjährigen Sonntag der Weltmission. Als anschauliches Beispiel wurde die Arbeit der jungen Kirche in Papua-Neuguinea in den Vordergrund gerückt. Auf dem dazugehörigen Plakat war eine Ordensschwester mit einer mehrköpfigen Familie in ländlicher Gegend zu sehen und mehrere Deutungen dieser Situation führten die Arbeitsfelder der Kirche dort vor Augen:

Die Schwester begleitet die Familie zur Einschulung ihres jüngsten Kindes, weil die Kirche gerade in der ländlichen Gegend und für die armen Bevölkerungsschichten eine Schulbildung ermöglicht. Die Schwester begleitet die Familie zur Gesundheitsstation, weil zur missionarischen Tätigkeit der Kirche eben auch die Gesundheitsvorsorge und –versorgung gehört. Die Schwester begleitet die Familie zu einer politischen Versammlung der von Enteignung bedrohten Kleinbauern, weil man sich in organisierter Gemeinschaft besser diesem Schicksal entgegenstellen kann, als als Einzelner. Die Schwester begleitet die Familie zu einem Treffen der kleinen christlichen Gemeinschaften, in denen man durch Bibel- und Glaubensgespräche sich gegenseitig stärkt und sich auf bleibende Werte verständigt.

Was mir beim Lesen dieser Texte sofort auffiel war die Unmittelbarkeit, mit der Leben und Glauben verbunden sind. Schon allein der Psalmvers „Dein Wort ist ein Licht auf meinen Pfaden“ gewinnt eine ganz andere Bedeutung, wenn man im absoluten Finstern über Urwaldpfade gehen muss, als auf unseren gutbeleuchteten Straßen.

Diese Unmittelbarkeit der Erfahrung wird dem persönlichen Glauben eine ganz andere Relevanz und Lebendigkeit geben. Wenn die Kirche mir die einzige Möglichkeit einer Schulausbildung bietet, werde ich das Wort „Jesus lehrte seine Jünger“ mit ganz anderen Ohren hören. Wenn ich in Armut lebe und von noch größerer Armut bedroht werde, ermöglicht jede organisierte Hilfe und Unterstützung der Kirche um den Lebenserhalt ein intensiveres Verständnis des Satzes „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt…“. Und wenn ich in einer Missionsstation medizinische Hilfe finde, ist der Titel „Christus ist der Heiland“ eben nicht mehr nur ein Titel, sondern unmittelbare Wirklichkeit. Glaube wird lebendiger, je enger er mit alltäglichen Lebenssituationen verbunden ist.

Zu seiner Gründungszeit hat auch unser Krankenhaus einer großen Notlage Abhilfe geschaffen. Die Schulen St. Kaspar und St. Xaver boten in einem weiten Einzugsbereich die Möglichkeit einer höheren Schulbildung und auch die Frauengemeinschaften, Kolping und KAB waren zu ihrer Gründungszeit und nach dem zweiten Weltkrieg Träger der beruflichen und gesellschaftlichen Fortbildung und der Solidarisierung. Heute verstehen wir sie als Teil des staatlich wohlorganisierten Gesundheits-, Bildungs- und Erwachsenenbildungssystems neben anderen Anbietern. Eine unmittelbare Verbindung zwischen konkreter Lebenssituation und unserem christlichen Glauben wird dabei von vielen nicht mehr gesehen.

Ich frage mich, und diese Frage bedrückt mich sehr, wie gelingt es mir, wie gelingt es Ihnen, wie gelingt es uns als Kirche in Bad Driburg diese unmittelbare Verbindung zwischen Glaube und konkreter Lebenssituation wieder zu knüpfen, damit Glaube relevant bleibt.

Ihr Pfarrer Hubertus Rath

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