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„Denn Großes hat er an mir getan“

Diakon Gottfried Rempe

In der vergangenen Woche habe ich geschrieben, was mich trotz oft berechtigter Kritik von außen an der Kirche Jesu Christi festhalten lässt. Heute möchte ich begründen, woher mir die Kraft und Zuversicht kommen.

Am 13.06. haben wir das Fest des Hl. Antonius gefeiert. Viele Menschen sind zur Antoniuskapelle nach Neuenheerse gepilgert und haben dort an der Eucharistiefeier teilgenommen.

Am 02.07. feiern wir das Fest „Mariä Heimsuchung“. Dieser Tag nimmt in meinem Heimatort Riesel eine besondere Stellung ein.

Mit einer großen Prozession zur Waldkapelle und einer eindrucksvollen Festmesse dort wird am 4. Juli der Festtag zu Ehren der Muttergottes begangen. Bereits am 30. Juni pilgerten mehrere hundert Frauen aus der Umgebung zu dieser Marienkapelle.

Was treibt all diese Menschen, an solchen Begegnungen teilzunehmen?

Der Gang zur Waldkapelle in Riesel – und ich denke für viele Menschen zur Antoniusklus in Neuenheerse ebenfalls – gehörte in meiner Kindheit zum sonntäglichen familiären Ritual. Er diente nicht nur dazu, aus dem Dorf herauszukommen, nein, die Menschen begegneten hier einander, sprachen über die täglichen Arbeitsabläufe in ihren überwiegend landwirtschaftlich orientierten Berufen, teilten sich ihre ganz persönlichen Sorgen mit und – das sehe ich heute aus der Rückschau als ganz wesentlich an – hielten in der Kapelle inne, um Gott auf die Fürbitte der Muttergottes ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen, aber auch, um Dank zu sagen!

Wie viele Gebete und Anrufungen sind wohl an diesem Ort zum Himmel geschickt worden?! Wie viele persönliche Sorgen und Ängste wurden hier der Gottesmutter anvertraut in der Hoffnung, dass sie als Fürsprecherin bei Gott Hilfe bringen und Erhörung erwirken möge.

Aber wie oft sind Menschen auch von dort ungetröstet zurückgekehrt, wurden ihre Gebete scheinbar nicht erhört, trat die gewünschte Besserung im Krankheitsverlauf eines lieben Angehörigen nicht ein, ging trotz des intensiven Gebetes die Ehe in die Brüche, nahm die Entwicklung der Kinder nicht den gewünschten Verlauf.

Es gibt keinen Automatismus zwischen Gott und den Menschen, auch dann nicht, wenn wir eine starke Frau wie Maria an unserer Seite haben. Und dennoch – mir haben der Ort, die Begegnung mit den Menschen viel bedeutet, und bedeuten es auch heute noch!

Die Beziehung zwischen Gott und Maria verdeutlicht mir, wie Gott mit dem Menschen umgeht, der vertraut und glaubt, wie er seine Beziehung zu uns Menschen gestalten will. Mit der Zusage zum Leben, wie Maria sie gegeben hat, bin ich in der Lage, Gottes oft unbegreifliche Wege mitzugehen, mich in seine Hände fallen zu lassen, weil er uns als seine Kinder annimmt und weiß, welche Bitten er uns erfüllen will oder nicht.

Diese Erfahrung hat Maria auch machen müssen. Auch für sie war es sicher nicht immer leicht, über die Wegstrecken ihres Lebens an ihrem Glauben, an ihrem Sohn, diesem unbequemen Querdenker, festzuhalten. Zwischen dem Mädchen aus Nazaret und der Frau unter dem Kreuz liegen Jahre gelebten Lebens, eines Lebens, in dem Maria schwere Stunden, das Dunkel des Glaubens und der Unbegreiflichkeit Gottes in reichem Maße erfahren hat.

Wenn es uns gelingt, über alle Widerstände hinweg die einzigartige Beziehung Gottes zu Maria zu betrachten, losgelöst von falschen, oft von uns Menschen verkitschten Vorstellungen, dann werden wir zu einer umfassenden Ahnung von Gottes Größe gelangen, die uns dann mit Maria auch in schwierigen Situationen unseres Lebens sprechen lässt: „Hoch preist meine Seele den Herrn, und  mein Geist frohlockt über Gott, meinen Retter, denn Großes hat er an mir getan.“

Ihnen allen wünsche ich in der kommenden Woche nette Begegnungen und einen erholsamen Sonntag!

 

Gottfried Rempe, Ständiger Diakon

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