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Der Glaube überlebt, wenn er überlebt

Gemeindereferentin Bilinda Jungblut

Ein merkwürdiger Satz! Man muss ihn schon zweimal lesen, um ihn zu verstehen. Ich fand ihn in einem Artikel, in dem es um Umbrüche in der Kirche ging.

Die sich anschließende Frage lautet: Wie und wodurch überlebt denn der christliche Glaube in einer Gesellschaft, in der Gott größtenteils nicht mehr die erste Stelle einnimmt; in einer Kirche, in der die Seelsorgeräume immer größer werden und vieles nicht bleibt, wie es war oder heute noch ist?

Die Antwort: Sicherlich weiterhin durch Menschen, die die Botschaft Christi kennen und ernst nehmen, die sie in ihr Leben integrieren und daraus handeln.

Diaspora-Bistümer wie z. B. Hildesheim und Osnabrück, die schon seit langem mit Christen, weit versprengt in großen örtlichen Räumen, zu tun haben, können uns Leitschnur sein. Seit Jahren haben sie ein pastorales Modell aus den Ortskirchen Asiens übernommen, das unter der Bezeichnung „Kleine christliche Gemeinschaften" bekannt geworden ist.

Vier Hauptcharakteristika zeichnen diese kleinen christlichen Gemeinschaften aus:

  • Menschen, die in der näheren Umgebung wohnen, treffen sich 14tägig oder einmal im Monat in einem Privathaus oder einem Gemeinderaum. Sie versuchen gemeinsam, Glaube und Alltagsleben zu verbinden.
  • Sie machen die Bibel zur Grundlage ihres Gemeinschaftslebens, weil sie sich als Gruppe verstehen, die im Namen Jesu zusammen kommt. Durch das Bibel-Teilen wollen sie in lebendiger Beziehung mit Jesus Christus bleiben, im Glauben an ihn wachsen, ihr Leben an seinem Wort orientieren und das Vertrauen untereinander in der Gruppe stärken.
  • Sie nehmen gemeinsam Aufgaben wahr, zu denen Nachbarschaftshilfe, Mitarbeit in der Gemeinde und ganz besonders auch im sozial-gesellschaftlichen Bereich gehören.
  • Kleine christliche Gemeinschaften sind durch den Sonntagsgottesdienst, durch den Pfarrgemeinderat, mit anderen Gruppen und der Pfarrei untereinander und mit der Weltkirche verbunden.

Kleine christliche Gemeinschaften leben also aus der Mitte der Gottesbegegnung mit Jesus Christus im Hören auf sein Wort. Sie entfalten eine Strahlkraft nach außen hin, die sich in der Übernahme caritativ-sozialer Verpflichtungen zeigt.

In ihnen erfährt der einzelne Christ Gemeinschaft, fühlt sich selbst als aktives Element und wird angeregt, solidarisch mitzuwirken. Jeder Interessent ist willkommen, ganz gleich welcher Altersgruppe oder Schicht er angehört.

In den kleinen christlichen Gemeinschaften geht es um die geteilte Verantwortung am Aufbau der Kirche. Sie realisiert sich in dem Bewusstsein, dass jede und jeder von Christus dazu berufen ist, sich mit ihren und seinen spezifischen Charismen und Fähigkeiten (vgl. 1 Kor 12) zum Wohle aller einzubringen. Würde dieses Moment fehlen, würden sie auch nicht diese „neue Art von Miteinander Kirche" sein. Der Leitungsstil gestaltet sich partizipativ, d.h. jedes Mitglied kann Leitung wahrnehmen.

Könnten nicht solche Gemeinschaften auch unseren Pastoralverbund gliedern, prägen und bereichern?

Sie könnten zum Sauerteig christlichen Lebens in dieser Zeit des Umbruchs und darüber hinaus für nächste Generationen werden.

Sie könnten aus christlicher Verantwortung unsere Aufmerksamkeit für die Vernachlässigten schärfen und des Engagements für die Umwandlung der Gesellschaft anregen.

Ob wir nun diese kleinen christlichen Gemeinschaften oder andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, eines wird immer deutlicher: Viele Menschen haben nur noch wenig Erfahrung mit einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.

Wenn wir möchten, dass der Glaube an den lebendigen Gott überlebt, sollten wir - mit seinem Bestand - jetzt handeln und mutig neue Wege der Verkündigung gehen.

 

Bilinda Jungblut

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