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Der Herr sei mit euch!

Pater Michael Janmieling

Was müssen Sie nun antworten, wenn Sie diesen Satz im Gottesdienst hören? Es liegt Ihnen sicher schon auf der Zunge. Ja, genau, wie immer: „Und mit deinem Geiste.“ Aber was bedeutet das eigentlich?

Es gibt so vieles in der Heiligen Messe, was wir so daher sagen, was der Priester und die Gemeinde tun, aber worüber wir uns kaum Gedanken machen. Früher, vor dem II.Vatikanischen Konzil, war die ganze Messe in lateinischer Sprache. Kaum jemand hat etwas verstanden. Heute dürfen wir uns freuen, dass wir alles in unserer Muttersprache hören dürfen. Aber verstehen wir heute das, was wir als Gemeinde im Gottesdienst vollziehen?

Unter Nr. 41 im Gotteslob kann man es nachlesen: „Eine Fülle von Zeichen, Symbolen, Haltungen und Bräuchen hat sich in der Kirche entwickelt. Viele von ihnen sind uns fremd geworden, viele haben wir vernachlässigt und vergessen.“
Papst Benedikt XVI hat einmal treffend gesagt: „Die Übersetzung der Liturgie vom Lateinischen ins Deutsche war nicht so schwierig. Schwieriger ist die Übersetzung vom Deutschen ins Geheimnis.“

Es geht also darum, das Geheimnis tiefer zu verstehen, welches die vielen Zeichen, Symbole und Haltungen beim Gottesdienst ausdrücken.
„Der Herr sei mit euch“ - so oder ähnlich begrüßt der Zelebrant zu Beginn des Gottesdienstes die Gläubigen. Ein zweites Mal hören wir diesen Gruß vor der Verkündigung des Evangeliums, ein drittes Mal vom Altar aus, kurz vor der Wandlung, und dann noch einmal am Schluss der Messe vor dem Segen. Da kann man sich schon fragen: Muss das denn so oft gesagt werden?

Nun, es geht hier nicht um eine privatpersönliche Begrüßung (wie zum Beispiel ein herzliches „Grüß Gott!“). Im Messbuch heißt es vielmehr: „Der Priester ruft der versammelten Gemeinde durch diesen Gruß die Gegenwart des Herrn ins Bewusstsein. Durch diesen Gruß und die Antwort der Gemeinde wird das Gegenwärtigsein des Mysteriums der Kirche in der feiernden Gemeinde zum Ausdruck gebracht.“

Das heißt also: Wenn wir uns als Kirche versammeln, tritt Gott in unsere Mitte. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (vgl. Mt. 18,20)

Wenn wir diesen Gruß: „Der Herr sei mit euch“ noch einmal vor dem Evangelium hören, werden wir uns bewusst, dass Christus auch gegenwärtig ist in seinem Wort. Wir hören nicht nur über ihn - wir hören ihn selbst! Wir als Gemeinde bezeugen durch den Zuruf „und mit deinem Geiste“, dass Christus im Wort gegenwärtig ist und zu uns spricht.

Vor der Wandlung hören wir wieder den Gruß: „Der Herr sei mit euch.“ Um deutlich zu machen: Jetzt wird Christus in der Gestalt des Brotes und des Weines gegenwärtig. Es ist wie eine Gebetsaufforderung an die Gemeinde: Denkt daran, was jetzt hier geschieht!

Vor dem Schlusssegen werden wir uns noch einmal bewusst: Gott ist auch jetzt mit uns, wir sind gesandt in den Alltag, um diese Gegenwart Gottes hinauszutragen. Im Lateinischen hieß es nicht einfach: „Gehet hin in Frieden“, sondern: „Ite, missa est.“ Das heißt soviel wie: „Geht, ihr seid gesandt.“ Wir sind gesandt, die Gegenwart Gottes in dieser Welt sichtbar zu machen, Gott in diese Welt zu tragen.

Mit dieser Gewissheit darf ich dann aus dem Gottesdienst kommen. Der Herr ist mit mir - was habe ich zu fürchten?

Versuchen Sie doch einmal, in der nächsten Messe bewusster zu sagen: „Ja, der Herr ist mit uns“, wenn wir uns als Gemeinde versammeln, wenn wir sein Wort hören und ihn in der Gestalt der Eucharistie bei uns haben, wenn wir ihn in unseren Alltag mitnehmen.


P. Michael Janmieling

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