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Der „intolerante“ Papst

Vikar Peter Lauschus

Im Vorfeld des Besuches Papst Benedikt XVI. ist von Gegner oft der Vorwurf gemacht worden, dass er „inhuman“, dass er „undemokratisch“ und dass er „intolerant“ sei. Ich finde, diese Aussagen zeichnen sich durch ein deutliches Maß an Unwissenheit aus. Da reden Menschen, die zumindest uniformiert sind.

Will man sich über die Einstellung des Papstes zu Demokratie und Humanität informieren, bedeutet das eine ganze Menge Mühe, denn er war immer ein sehr fleißiger Redner und Schreiber. Der Frage nach seiner „Intoleranz“ kann man sich mit einem einfachen Fremdwörterlexikon nähern. Im Duden „Das Fremdwörterbuch“ steht: „tolerieren 1. dulden, zulassen, gelten lassen (obwohl etw. nicht den eigenen Wertvorstellungen entspricht)....“ Nach dieser Definition kann man sicher nicht sagen, er wäre intolerant, denn er hat nirgendwo die Forderung aufgestellt, dass rein kirchliche Gesetze in den staatlichen Bereich übernommen werden. In seiner Rede vor dem Bundestag hat er dies sogar eher ausgeschlossen und einen „Gottesstaat“, wie es ihn zum Beispiel im Iran gibt, für das Christentum abgelehnt. Auch hier zeigt sich, dass manches hysterische Geschrei (Mit seiner Rede im Bundestag nimmt der Papst Einfluss auf die Gesetzgebung!) nur Geschrei, ohne irgendwelche Basis, gewesen ist.

Andererseits fordern eine ganze Reihe von „Papst-Gegnern“, dass der Papst ihre Forderungen in die kirchliche Gesetzgebung aufnehmen soll. Sie sprechen dann von einer Forderungen nach Toleranz ihnen gegenüber, aber genau betrachtet ist das offensichtlich mehr als dies, es ist eine Forderung nach „Akzeptanz“: Sie fordern, dass der Papst die eigene begründete Meinung zugunsten ihrer Meinung aufgibt.

Wo liegt nun die Intoleranz? Jeder hat das Recht seine eigenen Meinung zu vertreten und sich dafür einzusetzen, dass sie von der Mehrheit gebilligt wird und am Ende vielleicht sogar zu einem Gesetz wird (In unserer Demokratie nennt man das Lobbyismus). Aber jemanden in seinem Glauben oder seinem Gewissen zu verpflichten ist sicher nicht tolerant oder auch nur demokratisch. Und um sich tolerant verhalten zu können , muss man auch die Position des anderen kennen, ihm also zuhören. Das einige Politiker das bei der Rede im Bundestag auch nicht wollten, kann ich verstehen, wirft aber ein bezeichnendes Licht auf ihr Toleranz- (und Demokratie)verständnis. In einer Zeit in der die Politik zu Schlagworten und Wahlkampf zu verkommen scheint, waren die grundsätzlichen Überlegungen des Papstes sicher eine Herausforderung (allein schon vom intellektuellen Niveau), aber eine, an der die Demokratie in der Bundesrepublik nur wachsen kann. Man kann Benedikt XVI. nur wünschen, dass sein Wunsch in der Rede, dass er nicht zu sehr falsch verstanden wird, in Erfüllung geht. Bei aller Freude und auch ein bischen Stolz habe ich doch einen Punkt, der mir bedenklich erscheint, doch davon nächste Woche mehr.

 

Peter Lauschus

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