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Der schwarze Punkt

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Hin und wieder fallen mir Geschichten und Bilder in die Hand, die es in sich haben. Das sind dann Texte oder Gemälde, an die ich beim alltäglichen Tun immer wieder denken muss. Und es sind in der Regel ins Wort und ins Bild gebrachte Aussagen, bei denen ich spüre. „Das könntest du nicht besser sagen.“

Eine solche Geschichte kann uns, so glaube ich, weiter in das begonnene Jahr 2017 führen. Leider habe ich nicht herausgefunden, wer sie geschrieben hat. Aber sie trägt einen bekannten Titel: „Der schwarze Punkt“! Und sie erzählt Folgendes:

Eines Tages kam ein Lehrer in die Klasse und schlug einen Überraschungstest vor. Er verteilte sogleich das Aufgabenblatt, das wie üblich mit dem „Gesicht“, also dem Text nach unten zeigte. Dann forderte er seine Schüler auf, alle zum selben Zeitpunkt die Seite umzudrehen und mit der Bearbeitung der Aufgabe zu beginnen. Zur Überraschung aller gab es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite. Nun erklärte der Lehrer folgendes:

„Ich möchte Euch bitten, das auf zuschreiben, was Ihr dort seht.“

Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit. Am Ende der Stunde sammelte der Lehrer alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler ohne Ausnahme hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc..

Nun lächelte der Lehrer und sagte:

„Ich wollte euch eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.

Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Schule, in der wir eine Menge lernen können, die Wunder, die wir jeden Tag sehen …….

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die nicht gelungene Klassenarbeit, der Streit mit anderen Kindern, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund usw.

Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben.

Nehmt ruhig die die schwarzen Punkte wahr, doch richtet bitte Eure Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in Eurem Leben und teilt sie es mit anderen Menschen!“

Ich wünsche uns allen, dass wir in den kommenden Wochen das viele Weiße und Helle immer besser zu sehen lernen, das uns Gott mit dem neuen Jahr 2017 ausgehändigt hat.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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