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Die Ewigkeit im „altem Eisen“ finden

Pater Michael Janmieling

„Alles hat seine Stunde“, sagt uns das biblische Buch Kohelet aus dem dritten Jahrhundert v. Chr.. „Es gibt eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz.“ Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens erkannte Kohelet, dass es im Leben immer eine Kehrseite gibt. Das Leben ist erfüllt von Zeiten der Gesundheit, des Lachens und der Freude, aber auch von Zeiten der Krankheit, des Leidens und des Schmerzes. „Alles hat seine Stunde.“ Aber trotz allem: Kohelet kommt am Ende zu der Erkenntnis, dass Gott dennoch in alles die Ewigkeit hineingelegt hat. (Kohelet 3,1-11)

Unsere Gesellschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist dagegen geprägt von dem Satz: „Hauptsache gesund!“ Das Leben bekommt seinen Wert durch Jugend, Schönheit und Gesundheit; dort sucht man heute den Hauch der Ewigkeit. So erleben wir uns mehr und mehr in einer Spaßgesellschaft, sind aber gleichzeitig zu einer Leistungsgesellschaft geworden, wo nur der etwas zählt, der etwas leisten kann. Das Resultat: Der Wert des Menschen definiert sich heute aus seiner Leistungs- und Arbeitsfähigkeit, so dass der kranke und alte Mensch zum „alten Eisen“ gehört.

Wie gesagt, bei Kohelet geht die Rechnung anders auf: Gott hat in alles die Ewigkeit hineingelegt, auch in das, was unsere Gesellschaft heute so schnell als „altes Eisen“ bezeichnet.

Meine pastorale Aufgabe im Pastoralverbund Bad Driburg ist besonders die Kurseelsorge. Hier, in den Rehabilitationskliniken, begegne ich immer wieder Menschen, die eine schwere Krise hinter sich hatten oder noch durchleiden. Die eigene Krankheit wird oft zum Ort vieler Fragen, die der einzelne gar nicht beantworten kann. Vordergründige und schnelle Antworten auf diese Fragen gibt es, auch für den Seelsorger, keine. Aber es braucht Menschen, die den Rat geben: Nimm diese Herausforderung an und lerne aus ihr, dass du Geschöpf Gottes bist – als sterbliches Wesen. Es braucht Menschen, die Mut machen, die das Leben der Kranken nicht zum „alten Eisen“ erklären, sondern die Ihnen die Botschaft Christi bringen: Du bist wer, egal, wie sich dein Leben nun verändern wird.

Gerade in den Gottesdiensten der Kliniken erlebe ich die Menschen als Suchende. Sie kommen mit existenziellen Fragen und finden hier Trost und manche Antwort. Die Kurseelsorge bleibt auch weiterhin für unseren Pastoralverbund eine Herausforderung. So wie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zum Evangelium, so gehören auch die Kliniken zu Bad Driburg. Die Versuchung ist groß, an den Kranken vorbei zu gehen, weil man „ja noch so viel zu tun hat“. Aber denken wir an Kohelet: „Alles hat seine Stunde!“ Auch die Patienten in unseren Rehabilitationskliniken.

 

P. Michael Janmieling

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