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Die aktuelle Fürbitte

Pastor
Peter Lauschus

Ich muss gestehen: ich mache meine Fürbitten nicht selbst. Ich benutze Vorlagen, die ich manchmal meinem Geschmack anpasse, aber meist übernehme ich sie komplett. Diese Vorlagen sind naturgemäß schon ein paar Wochen alt, denn sie müssen ja erst einmal verfasst werden, dann an die Redaktion gesandt werden und gedruckt werden. Die Autorinnen und Autoren versuchen diesen Nachteil durch einen kleinen Hinweis auszugleichen: „Hier eine aktuelle Fürbitten einfügen!“ Eine Fürbitte für die Opfer des letzten Terroranschlages, der letzten Naturkatastrophe, für das aktuelle Geschehen in der Welt. Und ich habe manchmal den Eindruck, dass die Menschen, die zum Gottesdienst kommen, das auch erwarten, sie wollen für das, was sie eben in den Nachrichten gehört haben oder in der Zeitung gelesen haben, beten. Ein gutes und richtiges Anliegen, schon in den Briefen des Neuen Testamentes werden wir Christen aufgefordert, Fürbitte zu halten in allen Anliegen der Welt.

Trotzdem mache ich das selten. Eine ganze Reihe von Gründen lässt mich so handeln: Zuerst einmal möchte ich nicht in diesen Aktualitätsstrudel geraten, in dem sich die Medien befinden. Nur das Neueste vom Neuen zählt, wichtig ist es, als erster zu berichten! Da passiert es leicht, dass aus Eile die Wahrheit, oder zumindest die Genauigkeit der Berichterstattung leidet. War der letzte „Terroranschlag“ überhaupt ein „Terroranschlag“? Was ist wirklich passiert? Wie viele Opfer gab es? Fragen, die im der ersten Aufregung leicht untergehen. Dann: Was ist, wenn auf dem Weg zu Gottesdienst im Radio wieder etwas Neues berichtet wird, die nächste Katastrophe, das nächste Unglück? Schnell noch in der Sakristei eine neue Fürbitte formulieren und einfügen? Und was ist mit dem vorletzten Unglück? Ist es durch das neueste Unglück überholt? Aus der Berichterstattung ist es schon verschwunden, ist es damit nicht mehr „fürbittwürdig“? Und was ist mit den Dauerkatastrophen, die es überall auf der Welt gibt? Was ist mit den örtlichen Unglücken, die nicht in die Medien kommen und es auch gar nicht sollen? Die Krankheit eines Gemeindemitgliedes? Die Arbeitslosigkeit eines anderen? Die Ehekrise, die sich anbahnt?

Ich glaube, allgemeine Fürbitten haben ihre Berechtigung und ihren Sinn, denn sie fordern zum Gebet auf, lassen aber Platz für die eigenen Gedanken. Während die Fürbitten vorgelesenen werden, füge ich meine eigenen Gedanken ein: Namen, Anlässe, Sorgen, Gebetsbitten. Ich „aktualisiere“ die Fürbitten für mich selbst, ganz persönlich. Und zuhause bete ich mit der Zeitung oder den anderen Medien, indem ich ein kleines Stoßgebet losschicke in dem Anliegen, das mich bewegt. Ich hoffe, sie können damit leben und ein „Wir bitten dich erhöre uns!“ mitsprechen, wenn sie im Gottesdienst die Fürbitten hören.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Lauschus, Vikar

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