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„Diözesanes Forum“

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

Liebe Leserinnen und Leser,

im vergangenen Herbst gab es ein wichtiges Treffen in Unna: Das sog. „Diözesane Forum“. Der Erzbischof hatte dazu eingeladen. Der Grund: Vor drei Jahren ist in unserem Erzbistum das „Zukunftsbild“ veröffentlich worden. Dies ist der Text, der nach 10 Jahren gemeinsamen Suchens von vielen Verantwortlichen in unserem Erzbistum 2014 veröffentlicht wurde und als Leitlinie für das kirchliche Leben in der Zukunft hier bei uns gilt. In Unna sollte nun nach drei Jahren „gestartetes Zukunftsbild“ geschaut werden, wie sich in den letzten drei Jahren das kirchliche Leben in unserem Erzbistum entwickelt hat.

Bei diesem Treffen herrschte eine gelöste und familiäre Atmosphäre. Geistlicher Leitfaden an diesen beiden Tagen war das Bild des Wachstums. Die Verantwortlichen in der Diözesanleitung sehen, dass an ganz unterschiedlichen Stellen Neues wächst. Und das ist ja Kennzeichen des Reiches Gottes. Es gibt viele Bilder im Neuen Testament, die davon sprechen, dass Neues wächst.

Die Erinnerung hieran hat mir gut getan hat. Denn in der Regel sehen wir ja immer eher das, was nicht mehr da ist, was quasi „eingeht“: „Wir haben weniger Sternsinger als im vergangenen Jahr“. „Wir mussten unsere Werktagsmesse endgültig ausfallen lassen, weil keiner mehr kommt.“ „Wir …. “. Das kann schon traurig stimmen und auch weiteres Engagement lähmen. Und wenn es stimmt, dass das Reich Gottes mit ständigem Wachstum zu tun hat, hat alles „Sterbende“ in der Kirche wohl nichts mehr damit zu tun? Wirklich?

Ich möchte heute und in der nächsten Ausgabe der Pfarrnachrichten ein paar Gedanken über zwei Bilder an Sie weitergeben, mit denen Jesus das Wachsen des Reiches Gottes beschreibt. Diese und andere Bilder haben uns auch in Unna beschäftigt. Heute wird es mit dem ersten Bild etwas schmierig: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.“ (Mt 13,33)

Jeder, der schon einmal selbst gebacken hat, weiß: „Sauerteig pur“ ist ungenießbar. Und es ist eine zähe und schmierige Angelegenheit, einen Sauerteig mit dem Mehl zu verkneten. Das geht nicht ohne schmutzige Hände. Und das braucht viel Muskelkraft. Aber: Wenn der Sauerteig erst einmal mit dem Mehl gut vermengt ist, kann er nicht mehr davon getrennt werden. Im Ruhen und im Liegenlassen passiert es dann: Der Sauerteig sorgt dafür, dass es eine geschmackvolle Synthese mit dem Mehl der Umgebung gibt. So entsteht die Basis für Brot, für Leben.

Ich erlebe in meinem pastoralen Tun oft ähnliche Situationen: Da gibt es ganz Vieles, was mir unendlich zäh vorkommt: Durch Predigten soll etwas Spürbares in den Menschen verändert werden – und es bleibt offenbar alles so, wie es ist. Den Kindern und Jugendlichen soll im Unterricht, in den Erstkommunionkatechesen und in der Firmvorbereitung die Freude am Glauben vermittelt werden – und sie scheinen oft nur gelangweilt alles über sich ergehen zu lassen, um nur ja nicht aufzufallen. In der „Haltestelle“ werden zahlreiche Angebote gemacht, die helfen sollen, im Sinne des „Zukunftsbildes“ den aus dem Taufgeheimnis gelebten Glauben persönlich zu erfahren – und es kommen keine neuen Interessierten.

Das Gleichnis vom Sauerteig hilft mir hier: Wenn wir alles getan haben, um unsere Umgebung mit dem Glauben in Kontakt zu bringen, dann geschieht jetzt das Eigentliche im „Geschehen lassen“: Ruhen, Reifen, Gären – so wie der Sauerteig es in einem Mehltrog bewirkt.

Vielleicht gelingt es uns in der kommenden Woche ja schon mal, hier und da etwas von diesem Sauerteig des Reiches Gottes zu schmecken, indem wir das Gespür für das Göttliche in der Welt neu entwickeln.

Edgar Zoor, Krankenhauspfarrer

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