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„Du hörst mir nie richtig zu.“

Pfarrer Hubertus Rath

In keinem anderen Buch der Bibel wird die Frage, warum Gott das Leid zuläßt, ausführlicher behandelt, als im Buch Ijob. Alle Varianten der damaligen Denkweisen werden durchgespielt: Der Mensch, der den Spieltrieben der übernatürlichen Mächte ausgeliefert ist; Leid als Strafe Gottes für die eigene Frevelhaftigkeit oder gar für die Frevelhaftigkeit der Vorfahren; Leid als Zeichen der Gottverlassenheit usw, bis hin zu der fundamentalen Erkenntnis, dass Erfolg und Wohlergehen keinesfalls Zeichen der Erwähltheit sind, sondern das Gott gerade auch im Leid zur Seite steht: „Doch ich, ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ sagt Ijob am Tiefstpunkt seines Niedergangs. (Ijob 19,25) Und er ist wahrlich gebeutelt: Er verliert seinen ganzen Besitz, seine Kinder, seine Gesundheit. Kurz alles was sein Leben wertvoll macht und Sinn gibt.

So kommen seine Freunde, tief betroffen von seinem Leid, besuchen Ijob, um ihn zu trösten. Schwer fällt ihnen dieser Besuch. Was soll man sagen in einer solchen Situation? Mit all ihren Reden versuchen sie einen Sinn seines Leides zu erschließen, eine Antwort auf das „Warum?“ zu finden. Doch keine ihrer Reden vermag ihm zu helfen. Auf einmal ruft Ijob aus „Hört, hört doch auf mein Wort, das wäre mir schon Trost von euch.“ (Ijob 21, 2)

Wie den Freunden Ijobs fällt es auch uns schwer, jemanden zu besuchen, der in eine aussichtslose Situation geraten ist, der zB. von einer unheilbaren Krankheit betroffen ist, der/die ihre/seine Liebste verloren hat mitten im Leben. Was soll ich denn sagen in einer solchen Situation? Gehe ich ihm auf die Nerven mit meinem Gerede, belaste ich ihn zusätzlich mit meinen Worten, meinem Besuch? Sind nicht andere näher dran, als ich? Alles Fragen, die einem in einer solchen Situation durch den Kopf schießen.

Nein, es fällt uns nicht leicht, in einer Situation zu trösten, in der eine Veränderung nicht absehbar ist. Und die Stimme, die Gedanken und auch unsere Rede gerät ins stocken. Gott sei Dank auch, denn so sind wir davor bewahrt wild draufloszuplappern, Begründungen, Ratschläge zu finden, wie die Freunde Ijobs, die zwar eine allgemeine Weltsicht aufrechterhalten, aber der konkreten Situation nicht gerecht werden.

Oftmals schon habe ich gehört, dass zwei Dinge Menschen zusätzlich zu ihrem Leid sehr verletzen: a. Wenn Mitmenschen sich zurückzuziehen, obwohl man vorher einen sehr guten Kontakt hatte und b. Wenn Mitmenschen das Schweigen nicht aushalten können und versuchen, es mit Allgemeinplätzen zu füllen.

Dagegen werden kleine alltägliche Gesten als sehr hilfreich wahrgenommen, zB. das Reichen eines Taschentuches, der gemeinsame Besuch eines Kinos oder ähnliche Dinge. Nicht viel, nur kleine alltägliche Gesten. Und vor allem: Zuhören. Die Klage, die Wut, die Verzweifelung, alle Gefühle, die in einer solchen Situation hervorbrechen, mit anzuhören und auszuhalten, das wird als sehr hilfreich wahrgenommen. So, wie es schon Ijob sagt: „Hört, hört doch auf mein Wort, das wäre mir schon Trost von euch.“

Mir fällt das auch nicht leicht und auch da brauche ich Hilfe, Unterstützung und ihr Gebet.

Beten wir füreinander, um in den kleinen Gesten groß zu werden und im Zuhören stark zu sein.

Ihr Pfarrer Hubertus Rath.

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