Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Effata! …Öffne dich!

Gemeindereferentin
Anne Frank

Das katholische Bibelwerk bietet im Internet einen Service für Lektorinnen und Lektoren, wo diejenigen von Ihnen, die in den Gottesdiensten die biblischen Texte vortragen, sich informieren können über mögliche Interpretationen und Aussagen der heiligen Schrift, sowie einem Vorschlag zur guten Betonung beim Vortragen der jeweiligen Erzählung. Beim Blick auf die Sonntagslesungen dieses Wochenendes ist mir dabei die Rubrik „Besondere Vorleseform“ aufgefallen. Hier wird ein Vorschlag gemacht, wie der Text für einen Gottesdienst mit Kindern lebendig vorgetragen und gleichzeitig mit unserer eigenen Gegenwart verknüpft werden kann. Die Gedanken finde ich so interessant, dass ich sie gerne mit Ihnen teile. Doch vorab zum Evangelium des heutigen Sonntags, welches wir beim Evangelisten Markus finden: Jesus heilt in einer sehr persönlichen und nahen Begegnung einen Taubstummen:

„Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;  danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!  Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. (Mk 7, 32-35)“

Als Idee für einen Familiengottesdienst wird nun der Vorschlag gemacht, den gesamten Evangeliumstext abschnittweise zu lesen und das dort Beschriebene nachzuspüren, beispielsweise sich die Ohren und den Mund zuzuhalten und zu überlegen, was es denn für mich bedeuten könnte, nicht sprechen und hören zu können. Wie ist es, wenn ich, ganz real, an einem Teil der Welt nicht teilnehmen kann oder, im übertragenen Sinne ich mich nicht mitteilen kann, mein Gegenüber nicht versteht, was ich ausdrücken möchte? Wie fühlt es sich an, wenn ich missverstanden werde oder einfach nicht die richtigen Worte finde? Wem höre ich noch wirklich interessiert und genau zu? Für wen oder was habe ich ein offenes Ohr? Habe ich in unserer lauten Welt noch das Gespür für die leisen, einzelnen Laute?

Im Evangelium führt Jesus den Taubstummen beiseite, berührt ihn und fordert: „Effata! …Öffne dich!“ Als Anregung für die Gottesdienstbesucher/innen wird an dieser Stelle vom katholischen Bibelwerk vorgeschlagen, das „Effata! … Öffne dich!“ mehrmals zu wiederholen und zu bedenken, was darin alles enthalten ist. Es ist eine Aufforderung zum aktiven Tun, ich kann etwas zur positiven Veränderung beitragen. Was kann sich in mir öffnen? Wem möchte ich mich zeigen, so, wie ich bin, mit dem was ich fühle und denke? Was und wen sehe ich, wenn ich mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt gehe?

Die Begegnung mit Jesus verändert das Leben des taubstummen Mannes radikal, sie befreit von alten Fesseln und eröffnet neue Welten für ihn. Sie fordert gleichfalls sein Mittun und holt damit aus der gewohnten Passivität heraus.

Sie ahnen nun sicher, welche Frage uns zum Ende des Evangeliums gestellt wird: Wer oder was berührt mein Leben, führt möglicherweise positive Veränderungen herbei? Hat Jesus auch bei mir schon einmal etwas gut gemacht, hat er mein Leben berührt oder etwas in Bewegung gebracht? – Eine Antwort auf diese Frage kann ich Ihnen nicht geben, die kann nur jede und jeder von uns selbst finden, jeden Tag wieder aufs Neue und wahrscheinlich wird sie immer unterschiedlich ausfallen. Aber als Ermutigung, sozusagen als Wegzehrung bei dieser Suche hören wir doch auf die Worte Jesu, die durch die Heilige Schrift auch zu uns gelangen: Effata! …Öffne dich!

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Woche,
Ihre Anne Frank

14.901.421  Besucher seit 09.2009