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Ein (Nach-) Wort zur Maienkönigin

Diakon Guido Schütte

Es hat recht lange gedauert, bis ich einen wirklich tragfähigen Zugang zur Person der Gottesmutter Maria bekommen habe. An ihrer Besonderheit, Größe, Heiligkeit habe ich nie gezweifelt, aber ich konnte nicht nachvollziehen, warum letztlich die Mutterschaft des Gottessohnes ausreichen sollte, um ihr all diese überragenden Eigenschaften zuzusprechen. Für mich roch das nach dem dumpfen Werbecharme der Zahnarztfrau, die die Sachkundigkeit, eine bestimmte Paste empfehlen zu können, allein daraus ableitet, dass sie einen Zahnarzt geheiratet hat.

Das änderte sich, als ich zum ersten Mal eine Exerzitienwoche in Kevelaer verbrachte. Unsere kleine Reisegruppe kam in der beginnenden Abenddämmerung eines milden Novembertages auf dem Kapellenplatz des berühmten Marienwallfahrtsortes an und beschloss, dem Gnadenbild noch einen kurzen Antrittsbesuch abzustatten. Dabei ergab es sich ganz überraschend, dass ich eine Weile allein vor dem Gnadenbild stand, was während der Wallfahrtssaison mit ihren gut einer Million Besuchern pro Jahr fast unmöglich ist. Und plötzlich hatte ich den Eindruck: Maria und ich werden uns bald kennenlernen.

Tatsächlich: Als ich am nächsten Morgen mein Zimmer im Priesterhaus am Kapellenplatz verließ, fiel mein Blick auf ein Gemälde an der Flurwand direkt gegenüber. Es zeigte das Kopfprofil einer jungen Frau im makellosen Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts, die ruhig und ernst nach links aus dem Bild herausschaute. Sie trug einen fast faltenfreien roten Schleier, der ihr Haupt perfekt bedeckte und damit den Eindruck der Makellosigkeit noch verstärkte. Völlig gesammelt schien sie ihre gesamte Aufmerksamkeit einem unsichtbaren Gesprächspartner außerhalb des Bildes zu widmen. Dabei strahlte sie eine beeindruckende Würde aus.

Immer wieder betrachtete ich fasziniert dieses Bild. Schließlich ging es mir auf: So muss es ausgesehen haben, als Maria der Engel erschien, der sie einlud, die Mutter des Gottessohnes zu werden. Nachdem sich Marias erster Schrecken über das plötzliche Erscheinen des Engels gelegt hatte, hörte sie nun seinen Worten zu.

Jetzt wurde mir auch klar, warum Maria unbefleckt, also ohne jeglichen Anteil an Schuld und Sünde der Welt, an diese Begegnung herangeführt werden musste: Auf dieser Grundlage hatte sie sich nämlich zu einer starken, im ursprünglichen Sinne emanzipierten, selbstbewussten jungen Frau entwickelt, die die Botschaft des Engels mit liebevoller, absoluter Offenheit bewerten konnte. Deshalb war allein Maria mit ihrer einzigartigen Stellung in der Lage, ohne jeden Vorbehalt hinter dieser ungeheuren Nachricht statt ihres persönlichen Niedergangs die Größe ihrer Erwählung zu erkennen und völlig frei darauf zu antworten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort“.

Eine Frau, die durch und durch geheiligt ist und uns zugleich als „zeitgemäße“ Persönlichkeit begegnet, die sich jeder Epoche des Christentums, also auch unserer, mühelos erklärt: Diese Sicht auf Maria hat mich überzeugt.

Dass eine solche Frau sich nicht irgendeinen Partner aussucht, mit dem sie ein Leben lang zusammenleben möchte, ist eigentlich selbstverständlich. Ihre Wahl fiel auf Josef von Nazareth. Den schauen wir uns in der nächsten Woche an.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Diakon Guido Schütte

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