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Ein Zoobesuch im Advent

Diakon Guido Schütte

Vor einigen Jahren erzählte der Kabarettist Eckart von Hirschhausen von einem Erlebnis, das er während eines Kreuzfahrt-Engagements hatte:

„Ich ging in einen norwegischen Zoo. Dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: ‚Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?‘ Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion. Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang ‚mein‘ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: ‚Fehlkonstruktion!‘ Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.“

Warum bringe ich diese Geschichte jetzt, am ersten Adventssonntag? Weil die Adventszeit immer auch eine Zeit der Besinnung auf unsere christliche Existenz sein möchte. Ganz bewusst betrachten wir unsere Glaubenswurzeln, um uns von dort aus angemessen vorzubereiten auf die Feier der Menschwerdung Christi. Und dann stellt sich mir die Frage: Trauen wir unserem Glauben in der heutigen Zeit überhaupt noch zu, das Medium zu sein, in dem wir uns elegant und effizient bewegen und unsere Erfüllung finden können? Erkennen wir immer neu, dass er nicht nur ein brauchbares, sondern das ideal angepasste Element für uns ist, aus dem heraus wir unseren Alltag meistern können? Dass der Glaube für uns Menschen wie das Wasser für den Pinguin ist? Oder vertrauen wir lieber auf das Materielle, unseren Besitz, auf die Dinge, die wir greifen können, die uns sicher erscheinen? Lesen wir doch einfach weiter, was Eckart von Hirschhausen schreibt:

„Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig.“

Folgen wir dem biblischen Zeugnis, dann ist das Materielle unsere Schwäche. „Wenn du vollkommen sein willst, verkaufe deinen Besitz; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben“, sagt Jesus zum reichen Jüngling (Mt 19,21a). Wer sich allein auf seinen Besitz verlässt, kommt auch mit größter Anstrengung nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Wenn wir aber erkennen, dass ein Leben aus dem Glauben heraus unsere Stärke ist, und wenn wir diese Erkenntnis auch leben, dann sind die Chancen groß, dass wir wirklich zu uns selbst finden und der Würde gerecht werden, die Gott uns geschenkt hat, um ihm als einmalige und unverwechselbare Persönlichkeiten entgegengehen zu können. Dann hat die adventliche Vorbereitungszeit ihr Ziel erreicht!

„Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und schwimm! Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.“

 

Eine gesegnete und besinnliche Adventszeit wünscht Ihnen
Diakon Guido Schütte

 


Die "Pinguingeschichte" im Original finden Sie hier: http://www.hirschhausen.com/glueck/die-pinguingeschichte.php

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