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Einige Gedanken zum Zölibat

Pastor Peter Lauschus

Sie können sich sicher denken, wie ich auf dieses Thema gekommen bin: das Ausscheiden Georg Bechers aus seinem Orden und sein Verzicht auf das Priesteramt, den er mit eben diesem Zölibat, genauer dem Gelübde der Ehelosigkeit, dass er beim Eintritt in den Orden der Missionare vom Kostbaren Blut abgelegt hatte, begründet.

Ich empfand es als angenehm, dass in den letzten Wochen der Ruf nach Abschaffung des Zölibats, jedenfalls in meiner Gegenwart, nicht laut geworden ist. Aber so eine Situation: Ein talentierter Mitbruder scheidet gerade wegen dieser Anforderung aus dem Dienst aus, muss diese Frage hervorrufen: Warum Zölibat? Ich möchte heute versuchen, sie sehr persönlich zu beantworten.

Ich glaube nicht, dass der Zölibat zum innersten Kern des Priestertums gehört: Innerhalb der katholischen Kirche gibt es ja genug Beispiele dafür: Geistliche aus den Kirchen der Reformation (z. B. Anglikaner oder Lutheraner), die konvertiert sind, im überwiegenden Teil der unierten Ostkirchen ist der Pfarrklerus verheiratet, nur Mönche und Bischöfe sind auf den Zölibat verpflichtet. Auch ist die Partnerschaft von Mann und Frau nicht nur "biologisch" eingezeichnet, sie ist auch von schöpfungstheologischer Relevanz, Gott spricht: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt!" (Gen 2,18). Und schlussendlich ist die Ehe ein Sakrament, der Zölibat nur ein Rat (biblisch).

Und trotzdem bin ich für die Beibehaltung des Zölibats. Zwar kann ich Georg verstehen: Wenn ich mich vor 21 Jahren nicht für das Priestertum entschieden hätte, sondern eine Ehe eingegangen wäre, könnte ich jetzt vielleicht Kinder haben, die an der Schwelle des Erwachsenwerdens stehen. Nicht selten ertappe ich mich bei dem Gedanken: "Das könnte deiner sein!" (Ja, ich bin ein bischen altmodisch, ich hätte gern zuerst einen Sohn), oder: "Die wäre eine nette Tochter!", aber trotzdem: Ich habe mich dafür entschieden, nicht nur, weil es eine Zugangsbedingung ist, die man erfüllen muss, sondern weil ich wirklich an den Satz, den ich mir zum Motto erwählt habe, glaube: "Von Christus Jesus ergriffen" (Phil 3,12). So, wie es in einer guten Ehe nicht Platz für eine zweite Frau gibt, so gibt es in meinem Leben keinen Platz für eine Frau, denn der ist für Christus reserviert. Zwar gibt es in dieser Beziehung auch Hochphasen und Tiefphasen, aber die gibt es in einer Ehe ja auch. Zwar ist es nicht immer einfach (Jesus ist ein anspruchsvoller Partner!), aber es ist eine erfüllende Beziehung.

Es gibt also keinen Grund für Mitleid. Nicht alle müssen diese Beziehung so leben, viele tun es (und ich habe den Verdacht, manche auch besser als ich) in der Ehe, aber in unserer Zeit ist das Zeugnis des Zölibatären wichtig: Nicht wegen der Sexualisierung unserer Zeit, sondern weil es immer wichtiger wird, im Glauben fest und stark zu sein, denn es gibt kaum noch äußere Stützen. Und wie man sich kaum von einem Arzt, der eine brennende Zigarette in der Hand hält, vom Rauchen abhalten lassen wird (Die Ärzte mögen mir dieses Beispiel verzeihen), so wird man sich vielleicht aber von einem, der sein ganzes Leben einsetzt, sagen lassen: Ein Leben mit Gott lohnt sich!

Mit freundlichen Grüßen Peter Lauschus, Vikar

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