Sprungnavigation Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation; Direkt zur Servicenavigation; Übersicht zu dieser Seite; Kontakt aufnehmen;

 rahmen top

Pfarrnachrichten:

Aktuelle Ausgabe

Archiv

Entweder – oder?

Vikar Peter Lauschus

Die Aufregung um den Papstbesuch hat sich gelegt. Aber es gibt unabhängig von diesen „Hochzeiten“ eine Gefahr von der ich letzte Woche geschrieben habe: Die Gefahr des „Entweder-oder“.

Manchmal kann man den Eindruck bekommen, dass man entweder für den Papst oder gegen ihn sein muss. Das „Für den Papst“ bedeutet dann, dass man alles was er sagt oder tut gut und toll findet, es als der Weisheit letzten Schluss ansieht und in Bewunderung und Verehrung versinkt. Benedikt XVI. ist mit Sicherheit ein beeindruckender Theologe, aber trotzdem ist nicht jedes Wort, was er sagt unfehlbar. Er selbst sieht es nicht anders, im Vorwort zum ersten Band seines Jesus-Buches lädt er zur Diskussion ein. Das Problem ist dann, dass manche Menschen es anders sehen, besonders, wenn ihnen die Meinung des Papstes gefällt und sie seine Äußerung als reines Evangelium annehmen. Der Papst erlaubt die Tridentinische Messe? Also soll in Zukunft nur noch diese Form gefeiert werden und alle anderen Formen, besonders zum Beispiel Familienmessen, sind ein Fehler.

Der Papst sagt, das Konzil soll nicht als Bruch verstanden werden, also kann man es einfach als großen Irrtum ablehnen. Dass der Papst die Tridentinische Messe nur als „ausserordentliche“ Form und nicht als Regel bezeichnet hat, wird unterschlagen, dass er im Zusammenhang des Konzils von einer „Hermeneutik der Reform“ spricht, es also als Refomkonzil, das notwendige Veränderungen gebracht hat, anerkennt, wird ignoriert. So wird ihm praktisch die eigene Meinung in den Mund gelegt und er als Zeuge der Anklage gebraucht, auch wenn er sich nicht dafür eignet.

Die andere Seite dreht es genau andersherum: Alles, was der Papst sagt, ist falsch und abzulehnen, er ist rückwärtsgewandt und reformunwillig, er wird die Kirche in den Abgrund führen und so weiter und so fort. Beide Seiten hören nicht wirklich zu und versuchen nicht zu verstehen, was er sagt. Sie suchen nur Zitate, die ihre eigene Position stärken oder belegen. Sicher, es ist anstrengend, sich wirklich mit seinen Ansprachen und Aussagen auseinanderzusetzen, aber auch lohnend.

Es ist mühsam, sich eine eigene, wohl fundierte Meinung zu bilden, aber der einzige wirklich gangbare Weg in die Zukunft. Man kann sehr wohl katholisch sein, ohne jedes Wort des Papstes als Evangelium anzusehen, aber man kann nicht katholisch sein, ohne sich seines Glaubens zu versichern. Und das heißt: Man muss immer wieder über seinen Glauben nachdenken. Durch aufmerksames Zuhören, wenn die Worte der Heiligen Schrift im Gottesdienst verkündet werden, durch bewusstes Zuhören bei der Predigt, durch Lektüre eines religiösen Buches, da fällt mir als erstes der Gotteslob oder die Bibel ein, die wohl die meisten auch zuhause haben. Durch das Gebet, denn im Gebet sprechen wir mit Gott über unser Leben und unseren Glauben. Durch den Austausch mit anderen Glaubenden, denn gerade hier können wir viel Fragen klären und Zweifel und Nöte auch ausräumen.

Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten, man muss sie nur nutzen.



Mit freundlichen Grüßen

Peter Lauschus, Vikar

11.516.976  Besucher seit 09.2009