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Entweltlichung

P. Norbert Wientzek

Vor einigen Tagen ist die Enzyklika „Lumen fidei“ (Licht des Glaubens) von Papst Franziskus erschienen. Diese Enzyklika wird von ihm selbst als „ein Lehrschreiben von vier Händen“ bezeichnet. Damit will er den Anteil von Papst Benedikt an der Entstehung des Lehrschreibens hervorheben. Sie schließt sich damit den Enzykliken Benedikts über Liebe und Hoffnung an. Glaube als Licht, das wiederentdeckt werden muss. Damit kommen wir zu den Themen, die so wichtig in diesen Tagen im Leben der Kirche sind, und von denen Papst Benedikt immer wieder sprach: Neuevangelisierung und Entweltlichung.

Papst Franziskus selbst hat uns einige Beispiele zu Entweltlichung gegeben: Am Gründonnerstag hat er auf die feierliche Liturgie in der Lateranbasilika verzichtet und stattdessen die Liturgie in einem Gefängnis gefeiert und an den Insassen den Fußwaschritus vollzogen. Dazu passt sicherlich der Verzicht auf das Wohnen im apostolischen Palast, der Verzicht auf die Benutzung eines teuren, obwohl gespendeten, Autos, und die Überprüfung der Aktivitäten der Vatikanbank.

Noch vor dem Erscheinen der Enzyklika ist ein Buch von Paul Josef Cordes und Manfred Lütz unter dem Titel erschienen: „Benedikts Vermächtnis und Franziskus’ Auftrag. Entweltlichung - eine Streitschrift“.

Der bekannte Buchautor Manfred Lütz versucht, die Situation  der Kirche in Deutschland zu analisieren und verschiedene praktische Möglichkeiten der Entweltlichung der Institutionen zu geben. Besonders liegt ihm die Caritas am Herzen, die nicht so zu Geltung kommt, wie es ihr gebührt, weil sie zu stark institutionalisiert ist. Viel wird eben mit der Institution Caritas gerechtfertigt und auf sie abgeschoben.

Er erinnert daran, dass alle kirchliche Institutionen dazu berufen sind, „dem einzelnen Christen wirklich (zu) helfen, sich zu Jesus zu bekennen, in Gemeinschaft Gottesdienst zu feiern und nächstenliebend tätig zu sein… Denn die katholische Kirche, das sind ja die Katholiken, und die sind auch nur dann Katholiken, wenn sie sich zu Jesus Christus bekennen, Gottesdienst und Gemeinschaft halten und für die Armen und Notleidenden sorgen.
Je mehr es also kirchlichen Institutionen gelingt, das überzeugend deutlich zu machen, desto weniger werden sie als weltliche Machthaber und desto mehr als bescheidene Dienstleister wahrgenommen, die mithelfen, die Liebe Gottes unter die Menschen zu bringen.“

Im Leben der Pfarrgemeinde müssen alle Elemente existieren („Leiturgia“-Gottesdienst, „Koinonia“-Gemeinschaft, „Martyria“-Bekenntnis und „Diakonia“-caritative Liebestätigkeit), sonst wird „eine Pfarrgemeinde, in der sich alles bloß noch um den Gottesdienst dreht, irgendwann erstarren und vergreisen“. Der Autor geht sogar so weit, dass er sagt, die Caritas (nicht als Institution, aber als christliche Nächstenliebe) hat die Kirche über die Jahrhunderte getragen, und es ist somit die Krise der Caritas, die eine fundamentale Krise der Kirche ist.

Diesen Beitrag „Auf ein Wort“ möchte ich mit dem Satz von Papst Benedikt aus der bekannten „Freiburger Rede“ und einem Satz aus der Enzyklika „Lumen fidei“ abschließen. In Freiburg sagte Benedikt: „Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Beziehung zu Gott verkümmert“, und in der Enzyklika steht es: „Die Hände des Glaubens erheben sich zum Himmel, aber gleichzeitig bauen sie in der Nächstenliebe eine Stadt auf, die auf Beziehungen gründet, deren Fundament die Liebe Gottes ist“.

Es grüßt Sie alle

P. Norbert Wientzek SVD

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