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„Erzähl von früher“

Diakon Gottfried Rempe

Während meiner Zeit als Lehrer gab es für mich und die Schülerinnen und Schüler am letzten Schultag vor den Ferien immer ein besonderes Erlebnis. Die Arbeiten waren geschrieben, die Zeugnisse erstellt, somit Zeit für Dinge, die im sonstigen Schulalltag so intensiv nicht zur Sprache kamen. Auf meine Frage: „Was sollen wir jetzt machen? Habt ihr einen besonderen Wunsch?“ kam immer spontan die Antwort: „Erzähl von früher!“

Schnell war der Stuhlkreis gebildet, und dann erzählte ich von Erlebnissen aus meiner Kinder- und Jugendzeit, von den Streichen, die wir im Dorf spielten, wie wir die Pfannkuchen aus der Küche einer Bauersfrau „mopsten“, vom entwendeten Banner eines Pfadfinderlagers, das sich in der Nähe unseres Dorfes befand, von Ziegen, die wir Jungen hüten mussten und mit denen wir auf den Feldern der Bauern eine „Modenschau“ veranstalteten, indem wir sie mit unseren „Klamotten“ verkleideten, von zurückgestellten Uhren, die den Schulunterricht zu spät beginnen ließen, von den spannenden Abenden, wenn meine Eltern und Nachbarn bei geöffneter Ofentür Geschichten erzählten. Noch viele Beispiele ließen sich anführen! Die Schüler und Schülerinnen hingen an meinen Lippen, und ich hatte den Eindruck, sie wähnten mich als einen Menschen aus einer anderen Welt!

Warum erzähle ich das Ihnen, liebe Leserinnen und Leser? Mir ist seiner Zeit bewusst geworden, wie einfach es eigentlich ist, Kinder zu begeistern, wenn wir ihnen Zeit schenken! Nehmen wir uns heute Zeit für unsere Kinder? Warum ist es so schwer, sie zu aufmerksamen Zuhörern zu machen? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir unsere Kinder nicht richtig ernst nehmen, ihnen auch nichts mehr zumuten, es uns Erwachsenen schwer fällt, uns in die Kinderseele „einzuklinken“.

Das gilt vor allem auch für religiöse Themen. Oft habe ich das Gefühl, dass wir die Kinder im religiösen Bereich unterfordern, das fängt schon im sprachlichen Umgang mit ihnen an. Wir verniedlichen unsere religiöse Sprache, sind kaum noch in der Lage, Symbole und ihre Bedeutung zu erklären.

Die Adventszeit bietet viele Ansätze, wieder einmal von „früher“ zu erzählen, welche Bedeutung das Licht für die Menschen hatte – und heute noch hat. Damit meine ich nicht die übertriebene und alle Dunkelheit vernichtende Weihnachtsbeleuchtung. Nein, es geht um die kleine Kerze, die wir abends betrachten, die Licht, Wärme, Geborgenheit, Hoffnung schenkt, deren Leuchten wir mit einer kleinen Geschichte veranschaulichen. Es geht auch um das Einüben von Stille und Schweigen, das Hinhören auf den Klang einer Glocke, die Geräusche im Haus, auf das Knistern der Holzscheite im Kamin oder Ofen. Ich selbst versuche heute noch, solche Augenblicke für mich erfahrbar zu machen und merke, wie mich meine Kindheit einholt, und zwar im positiven Sinn!

Sie mögen jetzt vielleicht sagen: „Ja, das war in jener Zeit, da gab es auch noch nicht so viel Ablenkung und Abwechslung wie heute.“ Das mag stimmen. Aber ich bin mir sicher, dass unsere Kinder und jungen Menschen auch in unserer heutigen Zeit eine große Sehnsucht nach Geborgenheit und Zuwendung verspüren, die wir ihnen nicht selten vorenthalten und meinen, elektronisches Spielzeug könnte ein gemütliches Gespräch ersetzen. Auch die Verkündigung der Frohen Botschaft von der zuwendenden Liebe Gottes geschieht nicht immer in einer Weise von uns Erwachsenen, die bei jungen Menschen die Sehnsucht nach dieser Botschaft aufkommen läßt.

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ so heißt es in der Lesung zum 3. Adventssonntag bei Paulus. Diese Freude können wir Christen wecken, wenn wir überzeugt sind, dass das Hetzen, Hasten und Sorgen um die Geschenke gerade in diesen Tagen nachrangig ist. Lassen wir die Botschaft des heutigen 3. Adventssonntags wieder lebendig werden, erzählen wir „von früher“ wie Menschen sich auf die Ankunft des Erlösers Jesus Christus vorbereitet und gefreut haben, wie es im Tagesgebet heißt: “Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und Zuversicht werde.“

Zeit und Muße für Erzählungen von „früher“ wünscht Ihnen


Diakon Gottfried Rempe

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