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„Feiern heißt Sehnsucht nach erfülltem Leben“

Diakon Gottfried Rempe

Vor einiger Zeit zeigte mir ein Mitbruder im diakonalen Dienst eine Sammlung von Andachten, die in der Citykirche St. Klara in Nürnberg mit dem o.g. Worten eingeleitet wurden. Dieser Satz ist eine Kurzformel für das Programm, das die Verantwortlichen mit ihrem Angebot verfolgen: Menschen dort anzusprechen, wo sie ihr Leben besonders dicht erfahren, und dem, was  in ihnen ist, auf eine Weise Ausdruck zu geben,  über die sie selbst nicht verfügen.

„Im Fest verdichtet und verwandelt sich das gelebte Leben. Deshalb wird bei besonderen Lebensdaten nicht nur eine Fete gesucht, sondern eine Feier mit Tiefgang, ein Fest, das Ernst und Heiterkeit verbindet.“

Vielleicht muss das zu einem Nach- und Umdenken in unserer Gestaltung von Liturgie führen. Es geht um die Verbindung von Lebenswelten der Menschen und Liturgie. Vereinfachend gesagt scheint mir die Situation heute so zu sein: Die Kirche gibt Antworten auf viele Fragen, die kaum ein Mensch stellt, aber sie scheint weithin zu den Fragen, die die Menschen stellen zu schweigen, oder richtiger und gerechter ist es zu sagen: Ihre Antworten kommen bei vielen Menschen nicht an. Das gilt auch, und nicht zuletzt für die Liturgie. Ablesen kann man das an den Teilnehmerzahlen von Sonntagsgottesdiensten sowie, wenn überhaupt vorhanden, von Werktagsgottesdiensten.

Was interessiert die Menschen, was suchen sie? Leben, erfülltes Leben, Antwort auf die Fragen nach unverschuldetem Leid, angesichts der Zerbrechlichkeit des Glücks, angesichts von Scheitern, angesichts einer lebensbedrohenden Krankheit, angesichts von Unfällen und Katastrophen, im Angesicht der eigenen Sterblichkeit oder des Todes von Angehörigen, aber auch in ihrer Freude über gelingendes Leben, über eine neue oder eine in Treue bewährte Liebe, über die Geburt eines Kindes.

Das alles ist – für uns Kirchenmenschen ganz selbstverständlich – Inhalt der unterschiedlichen liturgischen Feiern.  In ihnen ist pausenlos von Leben und seiner Vollendung, ebenso die Rede wie von der Hinfälligkeit alles Weltlichen und von den Abgründen menschlichen Daseins, von Versagen und Schuld, von Heilung und Erlösung. Ja nirgends sonst, nicht einmal auf der Couch des Psychotherapeuten, wird so offen, verständnisvoll und zugleich in der Sache klar, so unbeugsam wie im Gottesdienst der Kirche gesprochen. Und trotzdem will es mit der Kommunikation nicht klappen.

Vielleicht müssen wir die Milieus der Menschen, auch in unserem Pastoralen Raum, besser in den Blick bekommen. Könnten da nicht auch andere gottesdienstliche Formen weiterhelfen? Muss es immer die Eucharistiefeier sein, deren Wert ich, um nicht missverstanden zu werden, sehr hoch einschätze? Ich könnte mir Gottesdienste und Orte für bestimmte Zielgruppen vorstellen: Trauerorte mit  monatlichen Gedenkfeiern, „Scherbengottesdienste“ und andere Gottesdienste für Menschen mit zerbrochenen Beziehungen, Gottesdienste für Paare, die ein Kind verloren haben. Gottesdienste mit nicht alltäglichen Titeln: “Hilfe  - ich bin 30!“ oder „Vom Glück, 40 zu sein“ oder „Oh Gott – ich bin jetzt Rentner!“ Viele weitere Themen ließen sich nennen.

Diesen Formen ist gemeinsam, dass sie ansetzen bei einer bestimmten Lebenssituation oder bei einer ganz klar definierten Zielgruppe. Sie gehen nicht von ewigen Wahrheiten aus und kirchlichen Traditionen, sondern vom Menschen. Und das sage ich bewusst als Diakon: Sie sind im besten Sinne diakonisch; sie wollen Menschen dienen. Damit entgehen sie der Lähmung, die auf kirchlichem Gebiet heute schon fast allgemein gegenwärtig ist.

Der diakonische Ansatz ist von einer Bedeutung, die heute noch zu wenig gesehen wird, obwohl in unserem Pastoralen Raum einige der genannten Gottesdienstformen stattfinden. Hier bedarf es des Einsatzes weiterer  verantwortungsbewusster Gemeindemitglieder – Frauen und Männer jeden Alters.

Grundsätzlich gilt: Profil zeigen, keine Billigangebote, die den Wert dessen, was wir als Kirche zu bieten haben, objektiv oder auch nur in den Augen der „Konsumenten“ mindern.

Wir sollten uns in unserem Pastoralen Raum Bad Driburg mit Gedanken auseinandersetzen, die der Glaubensvielfalt in unseren Gemeinden zuträglich sind und nicht nur die sonntägliche Eucharistiefeier im Blick haben.

Das Reich Gottes finden wir nicht nur in der Kirche als Raum, sondern in den Lebenswelten der Menschen, dort, wo Menschen in den ihnen je eigenen Ausdrucksformen ihr Leben leben, wo es gelingt, wo es scheitert, wo Menschen füreinander da sind, wo sie aus der Hoffnung leben. So drückt es auch der erste Satz der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums, Gaudium et Spes, aus:

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“

Möge das wahrhaft Menschliche, das sich in den Milieus unseres pastoralen Raums Bad Driburg findet, auch in Ihren Herzen einen Widerhall finden.

Das wünscht Ihnen, verbunden mit einem herzlichen Sonntagsgruß,

Gottfried Rempe, Diakon

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