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Früchte der Taufe

Diakon Manfred Lohmann

Liebe Leser,

in der Weltkirche ist es bis zum heutigen Tag üblich, die Taufbewerber eines Jahres in der Osternacht zur Taufe zu führen. Darum einige kurze Anmerkungen zur Taufe. Der Sinn unserer Taufe ist, dass auch wir als Christen Früchte tragen, d.h. dass von uns etwas ausgeht, was dem Leben anderer auf hilft, was das Klima wärmer sein lässt, was die Menschen mit sich und untereinander versöhnt. Die Frage lautet: "Was findet Gott an mir und dir, wenn er bei uns nach Früchten sucht?"

Ich möchte mal so einige Früchte aufzeigen, die von uns Christen ausgehen. Überall, wo Menschen Christen wurden, breitete sich soziale Verantwortung für die Armen und Sorge um die Kranken aus. Unser heutiger Sozialstaat ist eine Frucht christlichen Geistes, wie die hoch entwickelte medizinische Versorgung und Pflege der Kranken. Die ersten Krankenhäuser waren christliche Krankenhäuser. Ohne die Christen gäbe es heute wohl auch kein Empfinden für die Ungerechtigkeit auf der Welt. Aktionen wie Misereor oder andere Hilfsaktionen sind klar Früchte von Christen. Ohne die Christen würde für die Menschen im Elend noch viel weniger oder praktisch gar nichts getan.
Eine andere Frucht ist, dass von Ehen, die aus dem Geist des Evangeliums heraus ermutigt und gestärkt und treu gelebt werden, eine Vertrauen weckende Kraft ausgeht, die junge Menschen trotz des vielen Scheiterns, das sie sehen, doch ein JA zueinander sagen lässt.

Leider ist so manche Frucht von dem Baum, an dem sie gewachsen ist, schon abgefallen und wird deshalb in ihrer Herkunft kaum mehr erkannt. So sind z.b. die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ganz klar Früchte der christlichen Geschichte, der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Leider wissen heutzutage - das Gedächtnis der Menschen ist sehr KURZ - viele nicht mehr, dass, wenn sie heute in Freiheit leben, dies eine Frucht der Christen ist.
Diese positiven Beispiele sollen uns aber nicht in Sicherheit wiegen. Es gibt auch zahlreiche Beispiele, wie spärlich die Fruchtbarkeit der Getauften heute und hier ist. In unserer Gesellschaft sind für sehr viele Menschen die Möglichkeiten gewachsen, über die Grundbedürfnisse hinaus ihre Tage angenehm, gepflegt, unterhaltsam, spannend, reizvoll zu gestalten. Viele haben viele Möglichkeiten, sich ein schönes angenehmes Leben zu machen. Ein Leben, das sich zu leben lohnt, wie man dann so schön sagt. Die Möglichkeiten des schönen Lebens lassen sich ungestört nur nutzen auf  dem Rücken derer, die sich kein schönes Leben machen können.

In unserer Gesellschaft gibt es einen schlimmen, schleichenden Egoismus, wo es darum geht: Hauptsache, ich habe ein angenehmes und schönes Leben. So geschieht es, dass Lazarus - um ein biblisches Bild aufzunehmen - vor der Tür bleibt. Es ist der Sinn der VIERZIG TAGE unseres Weges zum Osterfest, der sich jetzt langsam dem Ende zuneigt, dass wir uns unserer TAUFBERUFUNG zu einem fruchtbaren Leben bewusst werden und einzeln und gemeinsam danach zu suchen, was von unserem Leben ausgehen kann und soll, damit es um uns herum heller und wärmer wird, menschlicher zugeht.

Es müssen nicht die  großen Dinge sein, die uns da gegeben und aufgegeben sind. Kleine Früchte können köstlich sein und voller Kraft stecken. Österliche Buße meint nicht zuerst moralische Selbstanstrengung. Vorrang hat, dass wir uns neu verwurzeln in der Liebe unseres Gottes, gerade auch durch das Gebet, wie es uns unser Erzbischof, in seinem Fastenhirtenbrief, ja so ans Herz gelegt hat, und dass so sein Leben neu in uns eindringt und uns dann verwandeln kann.

Manfred Lohmann (CL)

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