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GeDANKen zum Essen

Gemeindereferentin
Anne Frank

Sonntagnachmittag, das Telefon klingelt: „Bei uns sind heute die Geschäfte auf, es ist viel los im Dorf, wie eine kleine Kirmes.“, erzählt sie. „Vor unserem Haus haben sie eine Würstchenbude aufgestellt, da sind immer Leute; die machen bald mehr Umsatz als die Geschäfte. Das die Leute heute immer essen müssen.“, fügt sie noch hinzu. Ich fühle mich ertappt. Auch ich finde mich bei Stadtfesten, Einkaufstouren, Besichtigungen etc. häufig am Getränke- und Würstchenstand wieder. Das ist meistens ganz praktisch für mich, schließlich muss ich dann nicht kochen und je nach Anlass fördert es die Geselligkeit. Trotzdem lässt mich diese Bemerkung nachdenklich werden. Ist das so, dass wir nur noch essen? Coffee to go, das Brötchen auf die Hand, Fast Food im Auto, der „lebensrettende“ Schokoriegel beim sonntäglichen Spaziergang, Knabberzeug beim Fernsehen und sind wir mal „all inclusive“ unterwegs, dann gehen wir gerne mehr als einmal zum Buffet, auch wenn der erste Gang schon gereicht hätte. Ja, Essen ist allgegenwärtig, es ist lebenserhaltend und oft gemeinschaftsfördernd. Wenn es so positiv ist, warum denke ich dann hier öffentlich darüber nach? Weil mich der Luxus, unser heutiger Überfluss oft überfordert und – wenn ich ehrlich bin – ich die Schöpfung und ihre Geschöpfe beim Schnäppchenpreis schnell aus meinen Gedanken verdränge. Weniger Fleisch auf dem Tisch ist sicher erstrebenswert aber wer will sich gerne das Gemecker der Kinder beim Gemüseburger anhören, außerdem geht Fleisch ja viel schneller. Die Pommes auf dem Stadtfest ist ebenfalls zügig verzehrt und dass ich darüber das Gemüse im Kühlschrank vergesse und es am nächsten Tag wegtun muss, weil es faul wird, gut, dass passiert schon mal. Es passiert mehr als einmal, es passiert zu oft!

Wir feiern in diesen Tagen Erntedank, wir danken für alles, was uns geschenkt wurde in diesem Jahr, für alles, was Gottes gute Schöpfung für uns bereit hält. Dazu gehört für mich ebenfalls der Dank für unsere gute Lebenssituation, dass hier hoffentlich alle Menschen satt werden, dass wir aber auch darüber nachdenken, was wir denn wirklich zum Leben brauchen; dass wir wieder schmecken, was wir essen, dass es uns nicht egal ist, ob ein Schwein in Massentierhaltung mit Antibiotika gequält wird, damit wir täglich Fleisch essen können; dass wir im Winter auf Erdbeeren verzichten, die hier gar nicht wachsen und dass wir uns mit Produkten der Region, die das Land zu der bestimmten Jahreszeit hervorbringt zufrieden geben; dass Schokolade wieder ein Genussmittel wird und kein Brotersatz ist; dass wir essen, wenn wir Hunger haben und nicht dauernd kauend durch die Gegend laufen. Sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinandersetzen und den Wert der Lebensmittel wiederzuentdecken, dankbar sein für unsere Lage hier und dabei über den Tellerrand hinausschauen zu denen, auf deren Kosten wir teilweise leben, die um ihr täglich Brot, ihre Schüssel Reis und sauberes Wasser bangen ist Anliegen der Aktion Minibrot, der KLJB und vieler anderer Veranstaltungen rund um die Erntedanktage. Nehmen wir sie bewusst wahr, zum danken, nachdenken und helfen, wo Hilfe nötig ist. Denn Gott hat uns den Tisch reich gedeckt.

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, wie groß bist du!
...
Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank,
die Wildesel stillen ihren Durst daraus.
An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh,
auch Pflanzen für den Menschen,
die er anbaut,
damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit sein Gesicht von Öl erglänzt
und Brot das Menschenherz stärkt.
...
Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
(Psalm 104, 1.10-15.24)

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Woche,
Ihre Anne Frank

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