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Gesund oder krank –
von Gott geliebt –
„Gesunde Verhältnisse“

In diesem Jahr steht die „Woche für das Leben“, eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland unter dem Motto „Gesunde Verhältnisse“, die das Dreijahresthema „Gesund oder krank – von Gott geliebt“ abschließt. Die Hauptveranstaltungen werden in der Zeit vom 17.-24. April bundesweit stattfinden. Als katholische und evangelische Kirche haben wir die Verpflichtung auf die derzeitigen Entwicklungen im Gesundheitssystem unsere Antworten aus dem Glauben zu geben, denn seit Jahren ist die Diskrepanz zwischen ärztlich-pflegerischer Notwendigkeit und wirtschaftlicher Machbarkeit deutlich zu spüren. Als Krankenhausseelsorger in unserem St. Josefs Hospital in Bad Driburg möchte ich Ihnen daher in aller Kürze eines „Wortes zum Sonntag“ eine Erfahrung mitteilen, die in diese Herausforderung für uns Christen hineinspricht.

Zunächst musst konstatiert werden, dass aus christlicher Sicht Krankheit, ob körperlich, geistig und seelisch unter der besonderen Aufmerksamkeit und Liebe Gottes steht, so wie Jesus bereits in seiner Botschaft deutlich macht, dass nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken (vgl. Mt 9,12). Gleichzeitig ist die Erfahrung des Kreuzes – und das ist für uns heute das Synonym für Krankheit – eine Realität, die weder verleugnet, verdrängt noch durch noch so gute medizinische Versorgung und „gesunde“ Lebensverhältnisse umgangen werden kann. Als Christ wissen wir vom Kreuz, als Christ erfahren wir die Tiefen unseres Lebens genauso bewusst und lebensbedrohlich wie es auch ein Mensch ohne Gott wahrnimmt. Was uns allein von der wissenschaftlichen Betrachtungsweise von Krankheit unterscheiden sollte, das ist deren Einordnung in ein letztlich von Gott, also von einer neuen Hoffnung getragenes Ganzes des menschlichen Lebens. Krankheit ist also durch unseren Glauben nicht weniger Krankheit und Leid ist nicht weniger Leid. Mir ist diese Feststellung sehr wichtig, denn gerade im Krankenhaus fragen nicht wenige gläubige Menschen, ob als Angehörige von Kranken oder als Kranker selbst danach, wo denn nun Gott in aller Bedrängnis ist, was denn das Mehr des Glaubens, die Hilfestellung durch mein Rückbinden an Gott in einer solchen leidvollen Situation ist. Pauschale Antworten aus dem Glauben, wie „Gott wird es schon richten“ oder „Gott ist ihnen jetzt besonders nahe“ helfen in einer solchen Situation wenig weiter, auch wenn sie mit der Erfahrung der eigenen Person geerdet sind. Was in einer solchen Situation angebracht ist, das sind nicht Bibelworte und frommes Gerede, sondern das ist echt und ehrlich sich auf den Kranken und seine Situation einzulassen, mit ihm ins Gespräch zu kommen, seine Fragen evtl. auch als eigene Anfragen an Gott zuzulassen, manchmal mit all seinen „Patentrezepten“ aus dem Glauben zu verstummen und zu hören, zuzuhören, was ein kranker Mensch mir zu sagen hat. Die einfache und ehrlich gemeinte Frage „Wie geht’s?“ ist da angebrachter als manch ein gut Zureden, denn ein „Zureden“ macht auch das Gegenüber zu und dicht und lässt keine Spielraum mehr für ein besseres Verstehen der Situation des Kranken. Es geht schließlich darum, mit dem kranken Menschen in ein Gespräch zu kommen, in ein wenn auch kurzfristiges „gesundes Verhältnis“ einzutreten, ihm zu zeigen, dass man ernsthaft an seinem Zustand, an seinen Gedanken und Empfindungen interessiert ist und kein falsches Mitleid vorheuchelt. Denn wenn der Mensch, egal ob krank oder gesund von Gott geliebt ist, dann ist die erste Aufgabe von uns Christen das Lieben zu lernen, die Zuwendung zu erlernen und vielleicht dadurch auf einmal selbst betroffen zu sein. Wir sind als Christen wie es Christus war allesamt „Ärzte der Liebe“ -  zumindest sollten wir es sein, denn unsere Medikamente sind nicht verschreibungspflichtig und einer „Gesundheitsindustrie“ mit allen wirtschaftlichen Begrenzungen unterworfen, sondern wirken direkt und auf den jeweiligen Menschen abgestimmt.

Was wir also als Christen für das Leben, egal ob gesund oder krank, zu sagen und zu geben haben, das ist die Liebe, die letztlich heilsamer ist als jedes Medikament. Sie kann aber nur „verabreicht“ werden, wenn wir uns selbst dieser Medikation unterstellen, wenn wir uns selbst als „Geliebte“ von Gott her empfinden und wenn wir dadurch wissen, dass „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur“ uns scheiden kann „von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm 8, 38f.).

Ihr Pastor Michael Assauer

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