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Glaubwürdig ?

Diakon Manfred Lohmann

Liebe Leser,es gibt verschiedene Hürden, die es uns schwer machen, einfach mal wieder in der Bibel zu lesen. "Alles gar nicht passiert" ist so eine Hürde; "unverständliches Zeug" eine andere; "alles so weit weg" - "langweilig" - und "immer dasselbe" sind weitere Hürden.

Heute möchte ich die erste Hürde in Augenschein nehmen: "Das ist alles gar nicht passiert"; die Bibel sei eine Sammlung von Legenden, Märchen, Gerüchten und Unwahrheiten. Wie soll Gott etwa die Welt in nur sieben Tagen erschaffen haben? Wie kann es sein, dass alle Tiere dieser Welt auf nur einem einzigen Schiff Platz gefunden haben sollen? Kann Jesus die Zukunft vorhersagen, Menschen heilen und Tote erwecken? Wie kann jemand, der tot ist, selbst wieder lebendig werden?

Wie sollen wir die Bibel lesen? Nun, Lukas zb. leitet sein Evangelium mit den Worten ein: «Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.» (Lk 1, 1-5)
Und Petrus schreibt in seinem zweiten Brief: «Ich halte es nämlich für richtig, euch daran zu erinnern, solange ich noch in diesem Zelt lebe. Ich will aber dafür sorgen, dass ihr auch nach meinem Tod euch jederzeit daran erinnern könnt. Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.» (2 Petr 1, 13-16)

Zumindest für das Neue Testament erheben die Autoren den Anspruch, historische Wahrheit zu überliefern, und keine orientalische Märchen. Moderne Theologen betonen zwar immer wieder, dass die Autoren der Bibel ihre Glaubenserfahrungen vermitteln wollen - und kein Geschichtsbuch mit historischem Anspruch schreiben wollten. Sie schließen daraus, dass vieles (vielleicht sogar alles?) nur Symbolgeschichten sind, die Glauben wecken wollen; aber ob das alles wirklich geschehen ist, bleibt unwahrscheinlich.Diesen Ansatz halte ich für Grundfalsch.

Einmal angenommen, sie wollen ihren Enkeln deutlich machen, wie schrecklich der Krieg ist. Deshalb sammeln sie Geschichten und Erzählungen, die sie selbst im Krieg erlebt haben oder die andere ihnen erzählen. Ihre Absicht ist es nicht, eine Geschichte des zweiten Weltkrieges zu schreiben, sondern deutlich machen, was Krieg eigentlich bedeutet. Deshalb ordnen sie die Geschichten, betonen bestimmte Details und lassen andere weg, erklären bestimmte Dinge auf, die die Kinder noch nicht verstehen können und so weiter.

Kann ein moderner Forscher daraus schließen, dass das alles erfunden ist und nie stattgefunden hat? Machen die Geschichten denn überhaupt noch einen Sinn, wenn sie alle erfunden sind? Wohl kaum.

Oder ein anderes Beispiel: Ein Biologe schreibt ein Buch, in dem er die kleinen und großen Wunderwerke der Natur beschreibt; die Schönheit und Ordnung der Pflanzen- und Tierwelt, um dadurch auf die Schönheit Gottes zu verweisen. Kann man deshalb sagen: Es geht ihm doch nur um Gott, also wird alles andere wohl erfunden sein?

Es ist klar: Wenn ich nicht an Gott glaube, werde ich auch die Bibel für ein Lügenbuch halten; denn es wird dort von den Taten Gottes erzählt. Aber auch als glaubenswilliger Mensch, der Wunder und Berufungen für möglich hält, ja sogar so etwas wie eine Menschwerdung Gottes nicht von vornherein ausschließt, sollte bei Wunderberichten skeptisch sein. Warum also der Bibel glauben?

Nun, deshalb, weil sie sogar aus historischer Sicht sehr glaubwürdig sind. Nehmen wir einmal die Auferstehung Jesu: Die Informationen über dieses Ereignis lassen sich auf die ersten fünf Jahre nach Jesu Tod datieren - viel zu wenig Zeit für eine Legendenbildung, außerdem fehlen die für eine Legende üblichen Ausschmückungen. Die Zeugen und Kritiker Jesu waren alle noch am Leben und hätten jede Unwahrheit sofort aufgegriffen, um endlich diesen lästigen christlichen Glauben zu entblößen. Außerdem werden Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung genannt, obwohl das Zeugnis der Frauen wurde damals als grundsätzlich unzuverlässig angesehen und war z.B. vor Gericht nicht erlaubt. Der einzige Grund, dieses eher peinliche Detail nicht zu verschweigen ist der, dass es wirklich Frauen waren, die das leere Grab entdeckten. Außerdem ist glaubten die ersten Jünger ernsthaft und ganz plötzlich an die Auferstehung Jesu, obwohl sie an das Gegenteil hätten glauben müssen; denn der jüdische Glaube kennt keine Auferstehung vor dem Jüngsten Gericht am Ende der Zeiten. Für diesen Glauben waren sie sogar bereit zu sterben.

Wenn es aber - auch aus historisch, wissenschaftlicher Sicht - keine vernünftigere Erklärung für die Berichte von der Auferstehung gibt, als eben die Annahme, dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, dann dürften auch die restlichen Wunder keine Schwierigkeiten sein.

Es gibt also, diese und noch viel mehr, gute Gründe, die Glaubwürdigkeit der Evangelien anzunehmen, und so gut wie keine Gründe, die Bibel für unglaubwürdig zu halten.

Liebe Leser, natürlich besteht ein Unterschied zwischen den neutestamentlichen Berichten und den Erzählungen des Alten Testamentes. Die Hürde, "alles ist erfunden" lässt sich allerdings leicht nehmen: Das sagt schließlich nur der, der nicht glauben möchte.

Wir Christen, die wir von Gott berufen sind, sollten uns nicht beirren lassen. Lesen Sie in die Bibel in dem Geist, in dem sie geschrieben ist: Als ein aufrichtiges Zeugnis derjenigen, die Gott gesehen, gehört und erfahren haben.

Manfred Lohmann CIC

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