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„Gönn dir Zeit …"

Diakon Gottfried Rempe

Die guten Wünsche zum neuen Jahr klingen vielen von uns noch in den Ohren: Gesundheit, Zufriedenheit, Glück – diese Wünsche waren oft zu hören, durchaus wohlgemeint! Wie hätten wir reagiert, wenn jemand gesagt hätte: „Ich wünsche Dir/Ihnen für das Neue Jahr viel Muße und Zeit.“ Blicken wir da nicht erst in unseren Terminkalender, um festzustellen, ob wir uns diesen „Luxus“ überhaupt erlauben können?

„Zeit ist Geld“. In unserem Wirtschaftssystem muss in immer weniger Zeit von immer weniger Menschen eine höhere Produktivität erreicht werden. Medizinische oder pflegerische Hilfe dürfen ein bestimmtes Zeitmaß nicht überschreiten. Hektik und Stress bestimmen häufig den Alltag. Manche kokettieren sogar mit einem vollen Terminkalender und meinen, besonders engagiert zu sein, wenn alle Tage der Woche ausgebucht sind. Finde ich da noch Ausgleich für die eigenen seelischen Bedürfnisse? Bleibt da nicht die menschliche Zuwendung auf der Strecke? Wie kommt in einer solchen Hektik Gott noch zu Wort?

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Es ist nicht zu spät, in der Silvesternacht gefasste gute Vorsätze zu ergänzen mit dem Ziel: „Ich will mir Zeit nehmen, um mir selber und anderen gegenüber gut zu sein.“ Wer sich der Freude und Nächstenliebe öffnet, wer sie sich gönnt, Raum und Zeit in seinem Leben einräumt, dessen Herz wird weit.

Zeit und Freude, das sind auch die Maximen, die wir in unseren liturgischen Vollzügen beachten müssen.

In seinem sehr lesenswerten Buch mit dem Titel „Gönn dir Zeit. Es ist Dein Leben“ fragt der Autor und Abtprimas Notker Wolf: „Erleben Menschen, die heute am Sonntag in die Kirche kommen, gestaltete und heilige Zeit?“ Er fährt fort: „Liturgie wieder als Quelle der Erneuerung erfahrbar machen, als Hauch der Ewigkeit, die den Menschen aus dem Zwang der Zeitlichkeit herausnimmt – darauf käme es an.“

Gedanken, über die nachzudenken sich lohnt, nicht nur für Hauptamtliche!

Unsere Zeit ist begrenzt. Gönnen wir uns in der Zeit, in der Gegenwart, Zeiten der Ruhe und Stille, damit wir nicht die Zeit verlieren! Unsere Zeit kann zum kostbarsten Geschenk werden, das wir für uns und füreinander haben.

Es gibt ein Wort des Propheten Jesja, das Martin Buber, der jüdische Philosoph und Theologe so übersetzt: „Wer glaubt, beschleunigt nicht“ (Jes 28,16). Er kann sich und anderen Zeit lassen, wie Gott uns Zeit lässt.

Wer so denkt, weiß, dass Gott in seinem Lebensvorrat noch mehr zu bieten hat als die kurze Spanne unserer Lebenszeit. Darum muss er nicht in Hektik geraten und die Flucht nach vorn antreten. Er kann sich gelassen der Gegenwart, Gott, zuwenden, der in diesen Tagen in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen ist.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Zeit in Seinen Händen liegt!

 

Herzliche Grüße

Gottfried Rempe, Diakon

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