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Gott - ganz nah und doch unerreichbar

P.Johannes Maria Poblotzki

Es ist doch seltsam: Gerade haben wir die Geburt Jesu gefeiert, der in die Welt gekommen ist, und doch wissen wir so wenig über ihn.

Wir haben gefeiert, dass Gott (er selbst!) Mensch geworden ist. Jesus selbst wird später sagen: „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat!" Endlich also: Gott hat sich ein Gesicht gegeben und ist im wahrsten Sinne „greifbar" geworden. Endlich! Endlich wissen wir, wie Gott aussieht, und noch viel mehr, wie er ist! Jetzt wissen wir, wie Gott denkt, wie er sich gibt und wie er handelt. Eigentlich müssten wir ab Weihnachten im Jahre null keine Fragen
mehr über Gott haben. Oder etwa doch?

Sie werden mir zustimmen, dass wir in unserem Leben oft die Erfahrung machen, dass wir Gott nicht immer begreifen können. Warum lässt er zum Beispiel dieses oder jenes zu? Die Liebe Gottes ist mit unserem Begriff von Liebe schwer fassbar, und seine Weisheit noch viel weniger. Vor allem aber: Gott lässt sich nicht festhalten und handelt immer wieder überraschend anders. Diese und ähnliche Erfahrungen machten schon die Jünger, und teilen dieses Mysterium mit allen Gläubigen, seit sich Gott dem Menschen offenbart hat.

In gewisser Weise ist es schwer, mit Gott zu leben: Streben wir nicht all zu gerne nach höchstem Wissen über alles und jeden und bauen wir unser Leben nicht all zu sehr auf unsere eigenen scheinbar absoluten Sicherheiten auf? „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei...", sagt Paulus - eine echte Ernüchterung.

Auch unser Leben in der Gemeinschaft ist von dieser Erfahrung geprägt. Seit unserer Gründung im Jahr 1973 stehen wir in einem ständigen Prozess der Suche nach unserer gemeinschaftlichen Struktur und wie sich unsere Spiritualität in guter Weise und für die heutige Zeit konkret leben lässt. (Auf dieser ständigen Suche ist auch die gesamte Kirche, auch wenn es nicht immer so scheint). Wirklich unbequem, da die Zeit sich so derart schnell wandelt. Man ist niemals am Ziel angekommen und darf es in gewisser Weise auch niemals sein, denn das würde bedeuten, dem Leben selbst keinen Raum mehr zu geben. Seit 2002 haben wir die päpstliche Anerkennung „Ad Experimentum", das heißt „auf Erprobung". Diese Periode soll ihren Abschluss finden, indem die römische Religiösenkongregation uns die Anerkennung als eine „Neue kirchliche Familie des geweihten Lebens" aussprechen möchte.

Im Oktober diesen Jahres sollten wir auf unserem Generalkapitel die Weichen für eine grundlegende Reform und Neustrukturierung unserer Gemeinschaft stellen, doch bedarf es dafür noch einiger personeller Veränderungen in der Leitungsstruktur und eine gewisse Zeit der Bewährung. Dazu brauchen wir noch einen langen Atem! Tröstend hat unser neuer Erzbischof Robert Le Gall (Erzbischof von Toulouse) daher ein ermutigendes Wort an uns gerichtet: „Danken wir Gott.. für das, was Ihr seid, indem Ihr Euren schönen kirchlichen Weg weitergeht: Wir erleben gemeinsam eine Neugründung, eine Neugeburt... Die Kirche liebt Euch, sie schätzt Euch. Ich bin gebeten, das kirchliche Zeichen dieses anspruchsvollen Weges zu sein, gegründet auf der Wertschätzung und Zuneigung für das, was Euch derHerr bittet zu sein. "

Deshalb: Vergessen wir alle bei den Unsicherheiten und Veränderungen im Laufe unseres Lebens niemals, dass Gott Mensch geworden ist, um uns in allem nahe zu sein. Er hat unser Leben geteilt, um uns zu lieben und damit wir ihn besser lieben können. Mögen wir ihn auch immer besser verstehen lernen.

 

Pater Johannes Maria Poblotzki

Leitender Oberer der Gemeinschaft der Seligpreisungen

Haus Maria Königin, Bad Driburg

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