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Gott liebt einen fröhlichen Geber.

Diakon Guido Schütte

Vor einiger Zeit wurde ich in der Schlange vor der Tankstellenkasse Zeuge folgender Unterhaltung: „Unsere ... wurde letzte Woche getauft. Und ich hab dafür 20 Mark auf die Kommunionbank gelegt. Hinterher bin ich zum Pastor gegangen und hab ihm mal die Meinung gesagt, dass du bei der Kirche alles noch mal extra bezahlen musst. Und der Pastor sagt: ‚Taufen und Beerdigungen machen wir umsonst’. Da bin ich bei der Kommunionbank vorbeigegangen und habe meine 20 Mark wieder mitgenommen.“

Sie glauben gar nicht, wie mir solche Unterhaltungen zum Halse heraushängen. Was für eine schreckliche Kleinkrämerei! Abgesehen davon, dass über die Kirche und ihre „Teilnahmebedingungen“ die erstaunlichsten Märchen verbreitet und geglaubt werden, muss ich allerdings zugeben, dass vor allem das Kirchensteuersystem und seine Infragestellung den eigentlichen Geist gelebter christlicher Nächstenliebe bis zur Unkenntlichkeit verzerren.

„Geben ist seliger als nehmen“ – das weist darauf hin, dass Geben auch schwerer als Nehmen ist. „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“, wurde Jesus Christus vom reichen Jüngling gefragt (Mk 10,17). Der zählte ihm verschiedenes auf, was der Jüngling auch von Jugend an befolgt hatte. „Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ (Mk 10,21-22)

Wir müssen hier sorgfältig unterscheiden. Jesus beruft genau diesen reichen Jüngling in dieser Weise in seine direkte Nachfolge, weil er erkennt, dass darin dessen persönliche Vervollkommnung liegt. Er ist kein genereller Gegner des materiellen Reichtums. Wenn es Menschen gibt, die alles verkaufen und das Geld den Armen geben sollen, dann muss es auch Menschen geben, die reich genug sind, das alles zu kaufen. In diesem Sinne stehen Reichtum und Armut auch für Christen in einer notwendigen Beziehung. Das eigentlich Tragische am reichen Jüngling ist, dass der Paukenschlag seiner wirklichen Bestimmung unerhört an ihm vorbeizieht, weil er die Hürde des Gebens nicht überspringen kann – oder will.

Paulus schreibt: „Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.“ (2 Kor 9,7) Kennen Sie das Gefühl, mit Freude zu geben? Es ist großartig! Sicher, erst einmal kostet es Überwindung, aber sonst wäre es ja kein Opfer und hätte damit keine tiefere Bedeutung.

Damit gilt aber auch: Wer nicht aus fröhlichem Herzen geben kann, der gebe gar nicht. Der behalte sein Geld! Gott möchte, dass alle Menschen eine Zufriedenheit erreichen, und wenn das durch Geben nicht klappen will, dann soll es wenigstens durch Behalten gelingen. Solche Menschen bringen sich allerdings um die Erfahrung echter, tiefer Freude und wahrer menschlicher Größe. Und sie sollten diese Größe konsequenterweise auch von anderen nicht erwarten, wenn sie selbst einmal bedürftig werden.

Ich jedenfalls mag sie, die stillen, fröhlichen Geber, die unter uns leben und ihren Beitrag zum Wohl des Nächsten liefern. Es sind mehr, als man denkt. Leider noch nicht genug, um die Kirchenfinanzierung zu sichern und die Kirchensteuer damit entbehrlich zu machen.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Diakon Guido Schütte

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