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Gottes Lächeln

Pfarrer Hubertus Rath

Was kostet mich ein Lächeln? Manchmal etwas Überwindung, aber meistens nichts. Im Verhältnis dazu bedeutet mir ein geschenktes Lächeln unverhältnismäßig viel mehr. Ein geschenktes Lächeln zeigt mir, dass ich gern gesehen bin, willkommen bin. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Prüfung und der Prüfer lächelt bei jeder Ihrer Antworten mehr. Stellen Sie sich vor, Sie halten Ihre erste Rede/Ihre erste Predigt und währenddessen öffnen sich die Gesichter Ihrer Zuhörer und immer mehr Zuhörer lächeln. Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Krankenhaus, warten auf die Ergebnisse der Untersuchungen und die Ärzte betreten Ihr Zimmer mit einem Lächeln auf den Lippen. So viele Bedeutungen kann ein Lächeln für uns haben: Freundlichkeit, Interesse, Ermutigung, Bestätigung und in sehr extremen Situationen sogar auch Erlösung.

Was bedeutet wohl einem Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff nach der öffentlichen Schlammschlacht um Amt, Haus und Ehe ein Lächeln? Was bedeutet wohl einem Tebartz-van Elst zur Zeit ein freundliches Lächeln? Mir hat es unendlich viel bedeutet, als Sie mich im April nach meinem Klinikaufenthalt nicht mit einem skeptisch-kritischen Blick, sondern mit einem freundlichen Lächeln begrüßt haben.

Und jetzt habe ich bei der Predigtvorbereitung zu Allerheiligen auch noch ein Bild vom lächelnden Christus entdeckt. Es ist das Gnadenbild vom Hülfensberg im Eichsfeld: Der Gekreuzigte mit einem Lächeln auf den Lippen.

Bild: wiki-goettingen.de

Sicherlich ist das nicht der Gesichtsausdruck, der zu dem brutalen Geschehen der Kreuzigung passt, aber es ist der Gesichtsausdruck, der zu dem Moment nach Jesu „Es ist vollbracht“ passt. Es zeigt sich darin der Stolz und die Freude, diese extreme Situation gemeistert zu haben. Es zeigt sich darin die Freude und die Zuversicht, dass sich nach dieser aussichtslosen Situation für Jesus doch eine Aussicht eröffnet, nicht nach Menschen Denken, aber nach Gottes Willen. Was bedeutet dieses Lächeln wohl einem mit Sorgen beladenen Pilger, der auf den Hülfensberg kommt und eben auf diese Weise freundlich angeschaut wird?

Genau wie Sie kenne ich viele Bilder von Christus, aus den unterschiedlichsten Epochen und den unterschiedlichsten Stilen: Jesus mit schmerzverzerrtem Gesicht, mit flehentlich nach oben gerichteten Augen, Bilder von Jesus mit mildem, demütigen, strengen Blick. Immer blickt er ernst, nie sieht er mich/Sie locker, entspannt und lächelnd an. Hier lächelt er, freundlich, ermunternd, ermutigend. Das ist für mich überraschend und originell.

In meinem Glauben habe ich viele Vorstellungen, wie Jesus auf mich, auf mein Leben blickt. Entsprechend der vielen Bilder, die ich kenne, gehört dazu ganz beherrschend der ernste Blick. Ich danke dem mittelalterlichen Künstler für dieses Lächeln, denn es ist die Erkenntnis: Jesus schaut freundlich lächelnd auf mich, auf Sie, freundlich, ermunternd, ermutigend. Ein schönes Bild auch jetzt im trüben November mit den vielen Gedenktagen für unsere Verstorbenen. Auch Sie blickt er freundlich lächelnd an.

Jeden Tag blicken wir in ernste Gesichter, in Gesichter, die uns gleichgültig, kritisch oder grimmig ansehen und unser Blick wird sich nicht wesentlich davon unterscheiden. Freuen wir uns, dass Jesus uns anlächelt und schenken wir dieses Lächeln möglichst oft weiter.

Sie finden das Bild unter www.huelfensberg.de

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Hubertus Rath

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