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Gottes Vertrauensvorschuss

Pfarrer Hubertus Rath

Bevor ich Auto fahren darf, muss ich in die Fahrschule und abschließend eine Prüfung ablegen. Dann habe ich zwei Jahre Probezeit und dann erst die richtige „Fleppe“. Überhaupt, wenn ich es im Leben zu etwas bringen will, muss ich gute Leistungen in der Schule bringen und bevor ich in die Schule gehe, muss ich diverse Sprach- und andere Tests im Kindergarten erfolgreich absolvieren. Und im späteren Leben bleibt es bei diesem Modell: erst die Leistung, dann der Preis.

Wenn ich Glück habe, finde ich einige Nischen, in denen dieses Prinzip jedenfalls nicht so vordergründig gilt: Partnerschaft, Familie, Freundeskreis. Aber wenn ich mich in diesen Nischen allzu „schlunzig“ anstelle, ist auch dort schnell das Ende der Geduld gefunden.

Bin ich ein agiler, sympathischer, leistungsfähiger und –bereiter Typ, dann macht mir dieses Leistungsprinzip nicht viel aus. Aber wehe, mir fehlt auch nur etwas, und sei es, dass ich unter Prüfungsangst leide, dann habe ich schon schwerer daran zu tragen.

Wir sind von klein auf so an dieses Prinzip gewohnt, dass uns die Regel „Was nichts kostet, ist auch nichts“ in Fleisch und Blut übergegangen ist und wenn wir mal etwas „umsonst“ geschenkt bekommen, dann macht uns das zumindest misstrauisch oder regt uns zu einer adäquaten Gegenleistung an.

Ganz anders erlebe ich das in unserem Glauben. In der heiligen Schrift gibt es keine Stelle, an der zuerst die Leistung eingefordert und dann die göttliche Zuwendung gewährt wird. Im Gegenteil. Zuerst wendet sich Gott zu, und dann erwächst daraus bei den Menschen etwas. So ist es bei Abraham und Moses, bei jedem alttestamentlichen Propheten. Jesus erfährt es bei seiner Taufe und erst dann beginnt er öffentlich zu wirken. Und erst recht ist es bei den Aposteln einschließlich Paulus so. Sie allesamt erfahren sich als berufen und erst danach beginnen sie ihr Werk. Es ist, als ob Gott zu ihnen sagen würde: „Dir traue ich etwas zu und ich weiß, dass du es gut machen wirst.“

Diesen göttlichen Vertrauensvorschuss erleben wir heute in den Sakramenten. Sakramente empfangen wir immer am Anfang einer Entwicklung, nie am Ende. Wir werden am Beginn unseres Lebens getauft, nicht als Bestätigung eines gottgefälligen Lebens am Ende. Die Buße ist keine Abrechnung mit dem Vergangenen, sondern eine Lossprechung, damit ich etwas Neues beginnen kann. Bevor ich in das selbstständige Erwachsenenleben eintrete, wird mir in der Firmung bestätigt, dass ich mit Gottes Geist erfüllt bin. Und der Bund der Ehe wird am Anfang besiegelt und nicht erst bei der Silber- oder Goldhochzeit.

Wie ermutigend und stärkend wirken Menschen auf uns, die uns von vornherein etwas zutrauen „Das schaffst du schon!“ Wie ermutigend, stärkend und befreiend ist es dann erst recht, dass Gott uns mit diesem Vertrauensvorschuss begegnet. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ Auch du!

Ihr Pfarrer
Hubertus Rath

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