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„Hauptsache gesund!“

Diakon Manfred Lohmann

Wer ist ein glücklicher Mensch? Die Werbung und die Medien geben darauf eine eindeutige Antwort: Glücklich ist, wer gesund ist. „Hauptsache gesund!“ – so sagen mir immer wieder, vor allem ältere Menschen. Sich gut zu fühlen, frei zu sein von großen oder auch kleinen körperlichen Beschwerden – wer möchte das nicht? Und ich gestehe: ich selbst möchte das natürlich auch. Morgens aufzustehen, ohne daß einem die Knie weh tun – das ist schon etwas Wunderbares. Leider ist es nicht so.

Nächste Woche feiern wir das Hochfest Allerheiligen. Dieses Fest führt uns eine unzählbar große Zahl von Menschen vor Augen, die alle eine Gemeinsamkeit haben: von ihnen allen sagen wir, daß sie glücklich sind. Doch wir müssen achtgeben. Denn hier meint „glücklich“ nicht einfach: sich gut fühlen. Oder rundum fit sein. Doch wenn wir genauer hinschauen, stellen wir etwas anderes fest. Wir stellen fest, daß viele, sehr viele Heilige über lange Zeit krank oder sogar schwerkrank gewesen sind. Schon Paulus spricht in seinem zweiten Korintherbrief von einem „Stachel“, der in seinem „Fleisch“ stecke , ein Hinweis wahrscheinlich auf eine schmerzhafte Krankheit, die ihn lange quälte. – Oder die heilige Therese von Lisieux, die schon mit 24 Jahren unter schlimmen Qualen starb. Oder Mutter Marie Therese von Mechernich,die zeitlebens immer wieder schwerkrank war und dennoch ein großes Sozialwerkwerk aufbauen konnte, sowie den Orden Communio in Christo gründete, bevor sie starb. Sie waren alles andere als gesund. Und trotzdem gelten sie in unserem Glauben als „glücklich“.

Ist das nicht seltsam? Es ist seltsam! Es ist seltsam in einer Welt, in der uns die Werbung Menschen zeigt, die keine Falten im Gesicht haben, die mit fünfzig noch aussehen wie dreißig und die uns immer nur die eine Botschaft zurufen: Gesundheit, heute „Wellness“ genannt, und Spaß sind Ziele, für die es sich lohnt zu leben und alles zu geben. Hast du Wellness, hast du Fun, bist du immer glücklich dran. Wir durchschauen natürlich diese Botschaften als Werbetricks, weil wir eben auch die Wirklichkeit kennen, aber ein bißchen infiziert sind wir vermutlich doch von der Idee, die dahinter steckt. Und eine Angst ist dann da, die kaum laut ausgesprochen wird: die Angst davor, daß unser menschliches Leben einmal ein Ende haben wird.


Die Heiligen zeigen uns, wie wir dennoch oder gerade deswegen glücklich sein können. Denn auf die Heiligen trifft zu, was in den Seligpreisungen gesagt wird: „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“. Die Seligpreisungen nennen all die Menschen glücklich, denen es nach unseren Maßstäben ganz und gar nicht gut geht: die Traurigen, die Hungrigen, die Verfolgten ... aber eines hatten alle diese Menschen gemeinsam, etwas, was allein auf Dauer glücklich machen kann: sie alle wußten sich von Gott geliebt. Und das ist mehr als Gesundheit, mehr als Reichtum, mehr als Ansehen und Erfolg. Von Gott geliebt sein: das ist die beste Definition von einem Heiligen.

Eine Gute Woche wünscht ihnen
Manfred Lohmann CIC

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