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Datum: 17. Dezember 2018 - 12:38 Uhr

„Heiliger Bimbam!“

Pastor Peter Lauschus

Da ich direkt neben St. Peter und Paul wohne, höre ich das Läuten der Glocken sehr gut. Manchmal überhöre ich es sogar, da ich mich so sehr daran gewöhnt habe. Aber es ist ein Klang, der für mich zum Alltag gehört und den ich nicht missen möchte. Der Stundenschlag, der Viertelstundenschlag, das Läuten für unsere Toten oder das Geläut zu den Gottesdiensten: alle diese Glockenzeichen sind für mich Bestandteil meiner Hörwelt.

Gerade habe ich ein Buch über die Sowjetunion beendet. Einer der dort abgedruckten Texte befasste sich mit dem Glockenläuten in Russland vor der Revolution und dem Kampf der Bolschewiken gegen dieses Zeichen der Präsens der Kirche und des Glaubens im Alltag der Menschen. Glocken wurden vernichtet, Glockentürme gesprengt, damit die Kommunisten die Hoheit über den akustischen Raum gewinnen konnten. Nach dem Untergang des Sowjet Imperiums kommt es nun zu einer Wiederauferstehung des Glockenläutens, das wesentlich komplizierter ist, als unser Umgang mit diesem Instrument und eher vergleichbar ist mit dem englischen Bell-Ringing, bei dem eher Melodien gespielt werden als Glocken einfach angeschlagen werden. Obwohl: Im klösterlichen Kontext gibt es vergleichbares: Umfangreiche Geläute (bis zu 23 Glocken), die als Signalgeber genutzt wurden. Pastor Wagner hat in seiner Zeit als Pfarrer von Gehrden ein solches Geläut wiederhergestellt.

Etwas überrascht war ich, als ich von der hohen Akzeptanz des Glockengeläutes las, das eine Umfrage in Deutschland ergeben hat: Eine Mehrheit empfand das Läuten der Glocken nicht als störend, sondern als ein wichtigen Bestandteil des Klanges der eigenen Hörwelt.

Wenn am Gründonnerstagabend die Glocken verstummen und erst zum Osterfest wieder erklingen, dann kann dieses „Glockenfasten“ vielleicht dazu beitragen, diesen Hintergrundklang wieder einmal bewusster wahrzunehmen.

Ihr Vikar Peter Lauschus