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Pfarrnachrichten:

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Heilsgeschichte -
was die Pfarrkirche „Zum Verklärten Christus“ uns (vielleicht) sagen kann

Vikar Peter Lauschus

In den letzten Pfarrnachrichten habe ich über Heilsgeschichte geschrieben. Dieses Wort bedeutet, dass Gott in der Geschichte der Menschheit sein Heil wirkt, dass Gnade nichts Außerirdisches ist, sondern im Hier und Jetzt geschieht.

St. Peter und Paul zeigt in seiner Ausmalung die biblische Geschichte als Heilsgeschichte. Wie sieht es mit der Südstadt-Pfarrkirche aus? Auch dort gibt es (hier in den Fenstern) biblische Szenen, aber auch einiges andere mehr. Man sieht eine Fülle von zeitgeschichtlichen Szenen, einen Zeitungsausschnitt, einen Computer, einen Panzer und vieles mehr, wenn man sich die Fenster ansieht. Als die Kirche gebaut wurde waren diese aktuelle Szenen, geradezu Gegenwart.

Man merkt, das diese Kirche in einer Zeit des Optimismus gebaut wurde: Das 2. Vatikanische Konzil hatte mit dem von Johannes XIII. geprägten Begriff des „aggiornamento“, der „Verheutigung“ Fenster und Türen aufgestoßen. Es hatte formuliert: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Nicht mehr nur „behüt mich vor der stolzen Welt“, sondern Weltzugewandheit und -offenheit wurden als für Christen wichtig erkannt. Denn, wenn Gott das Heil in der Welt wirkt, dann ist diese Welt Ort der Offenbarung Gottes, Ort der Gottesbegegnung, muss sie ja auch sein, denn die Christen leben ja in ihr, sind ein Teil von ihr. Sie dürfen sich nicht völlig an sie anpassen, sind aber als Salz der Erde gerufen sie zu durchdringen.

Die „Verklärung Christi“ ist ein Zeichen dafür, dass in dieser Welt Gott sich zeigen kann. Er ist nicht nur zum Schein Mensch geworden, sondern wahrhaft und wirklich. So ist die Welt nicht einfach „böse“, sondern in gewissem Sinn Offenbarung Gottes. Ignatius von Loyola fordert uns sogar heraus: „Gott in allen Dingen zu finden“. Um diesen Auftrag erfüllen zu können braucht es die Kunst des Dialoges, des Gespräches. Die Bilder in der Südstadt Pfarrkirche sind ein Zeichen dieses Dialoges, der in der Zeit des Kirchenbaues eifrig betrieben worden ist.

In vielfältiger Weise wird in unseren Gemeinden auch heute noch dieser Austausch gepflegt: Wenn Eine-Welt Arbeit getrieben wird, wenn Jugendliche unseres Jugendtreffs in ihren Ausdrucksformen (Erinnern sie sich noch an den Tanz in unserem letzten PV-Geburtstag?) Platz im Gottesdienst der Gemeinde finden, wenn wir auf die Nöte der Menschen hören und im Fürbittgebet für sie eintreten. All das sollte Platz in unseren Gemeinden haben und noch viel mehr! Die Architektur und künstlerische Gestaltung der Südstadtkirche fordert uns heute heraus genau so viel Mut zu haben, wie die Erbauergeneration, die in den Fenstern ihre Gegenwart, ihre Kultur hineingenommen hat in ihr neues Gotteshaus. Wenn zum Beispiel ein Mahl in der Kirche gehalten wird, zu dem alle Menschen eingeladen werden, ist das für mich etwas, was in diese Kirche besonders gut hineinpasst, denn das Mahl ist ein Zeichen für das Reich Gottes, auf das wir zugehen (Jesaja 25,6), in dem jetzt schon etwas von dem Heilswillen Gottes für alle deutlich, greifbar werden kann.

Auch in den Konzerten, die in der Kirche stattfanden, sehe ich eine Form des Dialogs, eine Möglichkeit Kirche und Welt in Kontakt zu bringen. Zu zeigen, dass für alle Menschen guten Willens Platz in der Kirche ist, dass die Kirche, um ein altes Bild zu gebrauchen, die Mutter aller Menschen ist, die ihnen liebevoll entgegengeht, auch wenn sie andere Wege gehen, und sie mit offenen Armen erwartet.

Mit diesem schönen Bild möchte ich sie in den Sonntag und die Woche entlassen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Peter Lauschus

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