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„Hier kaufen Sie am Sonntag ein.“

Diakon Guido Schütte

Unter dieser Überschrift gibt eine unserer heimischen Tageszeitungen jede Woche eine Übersicht der Orte heraus, in denen am folgenden Sonntag, abweichend von den Bestimmungen der Ladenschlussgesetzgebung, die Geschäfte ausnahmsweise geöffnet sind.

Gelegentlich hat das Wetteifern der Kommunen um solche außerordentlichen Öffnungszeiten sogar ein rechtliches Nachspiel. Als besonders harte Nuss erweisen sich die so genannten „Stillen Feiertage“ (Erster und Zweiter Weihnachtsfeiertag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Karfreitag, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag), an denen vorrangig religiöse Aspekte den Ladenschluss begründen und an denen ein Verkaufsbetrieb grundsätzlich untersagt ist. So kommt es, dass das Festhalten der Bundesländer am geregelten Ladenschluss im öffentlichen Empfinden vor allem auf den Einfluss kirchlicher Stellen zurückgeführt wird, obwohl die Bestimmungen in erster Linie dem Arbeitnehmerschutz dienen sollen. Darüber hinaus wird in steigendem Maße und deftiger Lautstärke die komplette Abschaffung aller Öffnungszeitbeschränkungen gefordert, gern auch mit dem süffisanten Hinweis, man lasse sich sein Einkaufsverhalten nicht von „der Kirche“ vorschreiben.

Das Problem bei solchen Forderungen ist übrigens nicht die überschaubare Zahl jener „Lautsprecher“, die ihre oft realitätsfremde Abneigung gegen kirchliches Handeln nicht abzustreifen vermögen. Das Problem sind eher die gleichgültigen Kirchenchristen, die schweigend die verbale Dresche dieser Eiferer hinnehmen und damit in den Rang einer Wahrheit befördern helfen. In der Folge bringt jede Gesetzesnovelle neue Aufweichungen, und die Überprüfung der Sonderstellung von Stillen Feiertagen wird vermutlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie mag das klingen in den Ohren der Menschen, die sich in den Frühzeiten der Industrialisierung ihren arbeitsfreien Sonntag mühsam und aufopfernd erkämpft haben?

Ich möchte hier kein weiteres Plädoyer für eine zurückkehrende Verschärfung von Reglementierungen halten, sondern vor allem darauf hinweisen, dass deren fortschreitende Aufhebung noch mindestens eine andere Seite hat: Wenn die Entwicklung anhält und der Zeitgeist die Ladenschlussgesetze in naher Zukunft sanft weggespült hat, dann können wir zwar „endlich“ unserem Konsumrausch freien Lauf lassen. Gleichzeitig liefern wir aber die Gewerbetreibenden und ihre Mitarbeiter dem Sachzwang aus, ihre Öffnungszeiten zu „optimieren“ – auch am Wochenende und an den Feiertagen. Den Takt dazu schlagen voraussichtlich die Handelsketten. Es wird für viele Arbeitskräfte in Handel und Gewerbe ein böses Erwachen geben, wenn nur noch Umsatzkriterien über ihre Freizeit entscheiden.

Lieber wäre es mir, wenn die Christen in Deutschland ihr Recht auf echte Muße wieder erkennen und einfordern, weil ihnen Zeiten der Ruhe, der Besinnung und auch des Gebetes wichtiger sind als ein Mehr an Einkaufsgelegenheiten, auf das bei einem gut organisierten Alltag in den meisten Fällen ohne weiteres verzichtet werden kann. Wenn dieser Wunsch mit der nötigen Nachdrücklichkeit als Bedürfnis in die bestehende Debatte eingebracht wird, dann bekommt die rechtliche Abwägung der Ladenschlussbestimmungen auch wieder ein breites Fundament zurück. Wir tun gut daran, darauf zu achten, dass den Menschen und ihren Festzeiten die Würde erhalten bleibt.

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Diakon Guido Schütte

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