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Ich bin ein Frühlingsmensch!

Pfarrer Hubertus Rath

Liebe Schwestern und Brüder,

ich bin ein Frühlingsmensch. Ich mag es, wenn rundherum alles wächst und sprießt, wenn die Tage länger werden und das Jahr zunimmt. Ich freue mich drauf, wenn im Frühjahr die Uhr umgestellt wird, auch wenn das bedeutet, dass mir eine Stunde Schlaf geraubt wird und die Gefahr größer ist, zu spät zur Messe zu kommen.

Jetzt konnte ich zwar länger schlafen, aber dafür ist es auch schon wieder nachmittags stockdunkel. Was haben es doch die Bären gut, die einen Winterschlaf machen!

Wehmütig um´s Herz wird es mir schon, wenn im August die Mähdrescher über die Felder fahren. Ein Neuenheerser sagte mir mal: „Nach Schützenfest ist der Sommer vorbei.“ Und das stimmt auch. Was gewachsen ist, was herangereift ist, wird unter Dach und Fach gebracht. Das Versprechen des Frühjahrs hat sich langsam unter unseren Augen verwirklicht und erfüllt.

Jetzt gilt es auf ein neues Versprechen zu warten, gegen alle leeren Felder und herunterfallenden Blätter. Denn nicht die kahler werdenden Bäume und die Stoppelfelder erinnern uns an Wachsen und Leben, sondern die keimenden und knospenden Pflanzen in einigen Monaten.

Stoppelfelder und abgeerntete und blattlose Bäume erzählen von dem, was gewesen ist, nicht von dem, was sein wird. Sie erzählen von Vergangenheit, nicht von der Zukunft. In Stoppelfeldern sehen wir ein Zeichen für Vergänglichkeit. Was wir dabei aber übersehen, sind die vollen Scheunen, in die die Ernte eingebracht wurde. Nichts, was herangereift und geerntet ist, ist einfach verschwunden, sondern ist aufbewahrt und wird einen neuen Zweck ermöglichen und erfüllen. Ohne Stoppelfelder im Herbst gibt es auch keine keimenden Felder im Frühjahr. Eins baut auf das andere auf.

Was wir tun, was wir schaffen, was wir erleben, was wir durchleiden, tapfer und anständig, das haben wir ein für alle Mal getan. Niemand kann aus der Welt schaffen, was wir im Laufe der Jahre in unsere Lebensscheune niedergelegt, deponiert, aufbewahrt haben. Das ist nicht einfach in der Vergangenheit verschwunden, sondern das prägt uns, unser Herz, unseren Charakter. Das bestimmt unser Handeln und Reden. Jeder vergangene Tag, jedes vergangene Lebensjahr ist vorhanden in dem, was ich heute tue und was ich morgen erleben werde. Eins baut auf das andere auf.

Und als Christ höre ich gerne die Worte Jesu von der Saat, die auf guten Boden fällt, die von alleine wächst und reiche Frucht bringt, von den Scheunen, in die die Ernte eingebracht wird und den Satz aus dem Schöpfungsbericht: „Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen…Gott sah, dass es gut war.“ Gen 1, 11f.

Herzliche Grüße Ihr
Hubertus Rath

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