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Ich bin noch mal so frei ...

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

... und schreibe im Silbernen Jubiläumsjahr von Pastor Lauschus und mir hier über einen für mich ganz wichtigen Bereich unseres priesterlichen Tuns. In der vergangenen Ausgabe der Pfarrnachrichten war ich so frei, einige grundlegende Aspekte des Priesterbilds des 2. Vatikanischen Konzils in Erinnerung zu rufen: Dass nämlich das Sakrament der Priesterweihe die Empfänger innerlich verändert: substantiell und unwiderruflich. An einigen interessanten Rückmeldungen habe ich gespürt, dass diese knappen Ausführungen bei einigen Leserinnen und Lesern noch mal neue Fragen wach gerufen haben.

Heute bin ich noch mal so frei und möchte ein wenig über das Segnen schreiben. Segen zuzusprechen, erlebe ich nämlich als einen der  fundamentalsten Dienste, mit denen wir Priester den Menschen die Nähe des Gottes erfahrbar machen können - oder besser: wodurch Gott seine Nähe erfahrbar machen kann. Dabei darf es nicht um ein magisches Verständnis von Segen gehen. "Segnen" ist kein frommes "Abrakadabra". Segnen ist ein sinnenfälliges Erleben der geistlichen Wirklichkeit des Reiches Gottes. Segnen kann Jeder und Jede. Aber ich spüre auch oft, dass der Segen eines Priesters den Menschen in einer nicht näher zu erklärenden Weise ganz viel bedeutet: Der Segen für die Kinder, der Segen bei der Lossprechung von den Sünden in der Beichte, der Segen nach der Sonntagsmesse als Brücke in die neue Woche, der Segen bei der Eheschließung, der Segen für das Haus, der Segen für das neue Auto, der Segen bei der Krankensalbung, der Segen für die Sterbenden ... .

In den vergangenen Tagen bin ich auf eine ganz besondere Form des Segens  gestoßen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Vielleicht kann es ein Segen für die Welt werden, wenn Sie diese Form des Segens für sich entdecken: Der sog. "kleine Taschensegen".

Der Jesuit P. Thomas Gertler SJ berichtet davon, dass er diesen Segen sehr gerne spendet. So erzählt er, dass er in bestimmten Situationen mit seiner rechten Hand gerne mit dem Daumen in seiner inneren rechten Handfläche eine Linie von oben nach unten und dann eine waagerechte Linie von den Fingern zum Handballen zeichnet. Habens Sie´s gerade schon probiert? Genau: Es ergibt sich ein Kreuz. P. Gertler zeichnet dieses Segenskreuz in seine Hand, wenn er traurigen, kranken, fröhlichen und verliebten Menschen begegnet, oder Menschen, denen man ihre Angst und Sorge anmerkt.

P. Gertler: "Der kleine Taschensegen verändert. Er schenkt hoffentlich all diesen Menschen Gottes Segen. Aber er macht auch mich froh. Er gibt mir einen anderen Blick auf die Menschen. Er lässt mich Ja sagen. Und das verwandelt meine Weitsicht hin zum Positiven, hin zur Barmherzigkeit, hin zur Liebe, hin zum Guten. Er muss auch gar nicht in der Tasche gemacht werden. Er kann auch mit dem Daumen in der Handfläche außerhalb der Hosen- oder Manteltasche gegeben werden. Versuchen Sie es mit dem kleinen Taschensegen, wenn sie unterwegs sind. Er kommt zu Ihnen zurück."

Macht Sie das nicht auch neugierig? Ich werde auf jeden Fall in der neuen Woche diesen Taschensegen ausprobieren. Ich nehme mir vor, ihn vor allem dann zu spenden, wenn mir mal wieder ganz schwierige Menschen begegnen, bei denen ich schon hin und wieder gerne die Hand in der Tasche zur Faust balle. Es wäre schön, wenn wir uns dann mal als zukünftiger "Taschensegenspender" oder als "Taschensegenspenderin" austauschen könnten, wie es uns damit ergangen ist: Wenn wir uns in der Stadt treffen  oder gemeinsam in der Zahnarztpraxis im Wartezimmer sitzen oder in der Schlange vor der Kasse in der Tankstelle stehen ... .

Seien Sie doch einfach so frei !

E. Zoor, Krankenhauspfarrer

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