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Datum: 16. November 2018 - 19:04 Uhr

Ich bin so frei ...

Krankenhauspfarrer
Edgar Zoor

... und schreibe in diesem Beitrag dann doch mal einige Gedanken zu einem Thema auf, um das es in der Verkündigung um Gottes Willen nicht in erster Linie gehen darf: Uns Priester selbst.

Den Grund werden Sie erahnen: In den beiden Krankenhäusern in Steinheim und Bad Driburg, in denen ich als Klinikseelsorger arbeite, durfte ich in den vergangenen Wochen mein Silbernes Priesterjubiläum feiern: Darüber hinaus war es mir vergönnt, mit einigen Mitbrüdern unseres Weihekurses einige geistliche Tage in Assisi zu verbringen. In dieser heiligen Stadt durften verschiedene Fassetten  unserer Berufung an ganz verschiedenen Orten mit dem Blick auf den hl. Franziskus und die hl. Clara noch einmal besonders deutlich aufleuchten: Das persönliche Angesprochen sein mit der Einladung Gottes, einen ganz konkreten Weg in der christlichen Nachfolge zu gehen: Eben als Priester - verbunden mit der Anfrage an unseren Lebensstil, der dann doch in der Regel dem des hl. Franziskus nicht wirklich entspricht. Dann wird es im Herbst noch einmal eine Feier in meiner Heimatgemeinde St. Luzia-Berge geben, bei der ich mit den Menschen meines Heimatdorfes auf die letzten 25 Jahre dankbar zurückschauen darf. Also: Es wird ordentlich viel gefeiert und ich möchte schon jetzt die Gelegenheit nutzen, allen ganz herzlich zu danken, die mir in ganz unterschiedlicher Weise gratuliert haben !

Mit diesem Dank möchte ich aber auch die Gelegenheit verbinden, einige Aspekte an dieser Stelle anzusprechen, die für mich persönlich ganz entscheidende im Zusammenhang mit meinem Dienst geworden sind. Dabei hoffe ich, dass Sie dadurch für Ihre eigene Berufung den einen oder anderen hilfreichen Gedanken herauslesen können.

Zunächst einmal: Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass die Kirche und die Welt Priester braucht - und zwar in der Art, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt: Menschen, die bereit sind, sich im Tiefsten ihres Inneren so geistlich von Gott verändern zu lassen, dass die Menschen an ihnen erkennen können, dass es noch eine andere Wirklichkeit gibt als die, die wir in dieser Welt erfahren können. Das nämlich meint das Sakrament der Priesterweihe: Ein Prozess der inneren geistlichen Wandlung, die mit der Handauflegung und dem Gebet  des weihenden Bischofs beginnt und ein Leben lang andauert. Niemand "ist" in diesem Sinn Priester, wir können nur versuchen, es immer mehr zu werden.

Und genau diese Basis des Priesteramts ist für Viele heute nicht mehr nachvollziehbar: "Wieso sind Sie anders als ich?" - mit dieser Frage erlebe ich mich immer mal wieder konfrontiert, ausgesprochen und nicht ausgesprochen. Dahinter steckt aber oft ein Missverständnis: Dass nämlich mit diesem "Anderssein" von uns Priestern immer sofort der Anspruch verbunden sein muss, etwas "Besseres", etwas "Besonderes" zu sein. Das hängt wohl einfach damit zusammen, dass wir so wenige geworden sind. Und manchmal gibt es dann diesen inneren Reflex, das als "besonders" einzustufen, was in sich nicht schlecht und gleichzeitig nicht so häufig erlebt wird. So entsteht nicht selten eine Spannung: Da gibt es also Menschen, die von sich behaupten, sie seien durch ein Sakrament irgendwie anders. Doch gleichzeitig gilt doch, dass wir vor Gott alle gleich sind ... !

Hier kann vielleicht der einfache Hinweis helfen, dass mit "Andersartigkeit" eben nicht immer "Anderswertigkeit" gemeint sein muss! Es mag ja sicherlich auch Mitbrüder geben, die für sich selbst diese Exklusivität in Anspruch nehmen. Und ich weiß, wie abstoßend solch ein borniertes Verhalten auf Andere wirken kann, wenn Priester als erstes zum Büfett marschieren und meinen, noch ganz andere Privilegien für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, weil sie eben Priester sind. Schlechterdings nennen wir solch eine Haltung "Klerikalismus".

Die Gefahr ist groß, dass wir Priester in solch eine Ideologie hineinwachsen - statt immer mehr in die Kraft eines deutlichen Zeugnisses für das Reich Gottes. Es liegt sicherlich zunächst an uns, uns selbst davor zu bewahren. Aber: Wir brauchen auch Ihre Hilfe, dass das nicht verstärkt geschieht. Und diese Hilfe ist für mich immer dann gegeben, wenn ich spüre, dass mein ganz alltägliches Tun als Priester wahrgenommen und mir gespiegelt wird, was dies bei Ihnen bewirkt. Ich möchte Sie darum bitten, im Dialog immer mal wieder eine Rückmeldung auf das zu geben, was ich tue, was ich predige und was ich nicht tue und worüber ich schweige. Unsere Berufung als Priester lebt von der Berufung aller Getauften und will ja wieder dieser Berufung aller Getauften zum Christsein dienen.

Seien Sie bitte so frei ... !

Ihr Krankenhauspfarrer Edgar Zoor