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Ich glaube (nicht)?

Gemeindereferentin
Anne Frank

Ich glaube - ich glaube nicht.
Ich glaube schon – manchmal.
Ich glaube nur, was ich sehe.
Deshalb glaube ich nicht.
Meine Oma glaubt ganz fest.
Ich glaube an Gott und Jesus, an die Kirche nicht.
Ich glaube, als Kind hab ich mal geglaubt.
Du glaubst ja noch ans Christkind!
Ich glaube sicher, dass Bayern Meister wird.
Ich glaube, die Prüfungen werden hart.
Ich glaube, sie mag mich.
Ich glaube, er ist nett.
Meine Eltern glauben nicht, dass da noch was zu kitten ist.
Ich muss glauben.
Ich würde ja gerne glauben.
Glaubt der selbst, was er sagt?
Der Papst glaubt sicher.
„Ich glaube“ dreimal und einmal „widersagen“; das krieg ich hin, glaub ich!

„Bei der Taufe waren es eure Eltern und Paten, die sich für euch zu Gott unserem Vater, zu Jesus und der Gemeinschaft der Kirche bekannt haben. Jetzt dürft ihr es (zum ersten Mal) selbst tun.“ So heißt es immer in den Erstkommunion- und Firmfeiern. Die „Kleinen“ haben ihren Einsatz nach mehrmaligem Üben meistens gut „drauf“, die Jugendlichen bleiben sich treu und nuscheln die erste Antwort trotz Vorübung halblaut in den Raum und oft bedarf es der Ermahnung des Bischofs, dass sie dies doch sicher besser könnten, bis das Bekenntnis zu unserem Glauben stärker im Tonfall ausfällt.

Wir Erwachsenen sind bei solchen Szenen schnell erzürnt, erstens, weil es uns ärgert, dass diese „Halbstarken“ sich nicht einmal in Anwesenheit eines Bischofs so im Griff haben, dass der Gottesdienst reibungslos abläuft. Und zweitens fragen wir uns, warum sitzen sie denn überhaupt hier, wenn sie nicht einmal an Gott glauben? Dabei bleiben sie – im Gegensatz zu uns – auch in einer solchen Situation nur authentisch. Sie zögern, wenn es darum geht, etwas zu bekennen, wovon sie im Letzten nicht felsenfest überzeugt sind; sie zögern, wenn es darum geht, sich auf das dünne Eis des Glaubens zu begeben.

Denn Glauben ist nicht Wissen; Glauben ist Vertrauen. Es ist das Vertrauen in diejenigen, welche die Geschichten in der Bibel gesammelt und festgehalten haben, dass auch Wahrheit in ihnen steckt; es ist das Vertrauen in die, die sich in ihrem Leben von Gott getragen wissen in guten und schlechten Zeiten; es ist das Vertrauen, zu den eigenen Sehnsüchten, die spüren lassen, dass da jemand eine Verbindung zu mir hält. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20, 29)

Ich denke, von dieser „Seligkeit“ sind die meisten von uns (und nicht nur die heutigen Kinder und Jugendlichen) eine ganze Strecke entfernt. Doch Vertrauen kann (wieder) wachsen und das Jesus uns nicht aufgibt, zeigt die Erzählung vom ungläubigen Thomas, der, obwohl er jahrelang mit ihm unterwegs war, seine Worte und Taten gehört und gesehen hatte, erst an den Auferstandenen glauben wolle, wenn er „die Male der Nägel“ an seinen Händen sehen und seine Seite berühren dürfe. Jesus lässt ihn nicht im Ungewissen, er kommt und lässt ihn sehen und spüren, dass er da ist. Wenn Gottes Sohn einem solchen Zweifler nahe ist, dann dürfen wir darauf hoffen, dass er auch uns nahe sein wird – glaube ich.

 

Ihnen und Ihren Familien eine gesegnete Woche,

Anne Frank

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